»Ja, – wenn Du meinst, daß Du Schauspieler werden mußt, – ich habe nichts dagegen.«

Und in dem Lächeln des schönen Angesichts war ein Scheiden vom Liebsten und Letzten. Das Herz flog Asmus in den Hals, und er hatte Mühe, die Tränen zurückzudrängen, als er rief:

»Nicht doch, Vater, nicht doch! Ich werde ja nicht darauf eingehen! Ich denke ja nicht daran!«

Seiner Mutter sprach er nicht erst davon. Er mußte lächeln, wenn er sich ihr ökonomisches Entsetzen ausmalte. Und sie hatte ja recht.

Am Nachmittage sagte er es Dr. Kieselberg, seinem Wirte: »Meine Eltern haben mich fünf Jahre lang unter den größten Sorgen und Mühen erhalten, wenigstens zum großen Teil erhalten; jetzt ist es höchste Zeit, daß ich sie unterstütze. Als Lehrer bekomme ich ein Gehalt von 1200 oder 1300 Mark, dann kann ich ihnen helfen; als Schauspieler verdiente ich vorläufig wenig oder nichts. Ich würde die Hoffnung meiner Eltern vernichten, und das ist ausgeschlossen.«

»Nun, dagegen kann ich natürlich nichts sagen,« erwiderte Kieselberg. »Ich hatte das Gefühl einer Pflicht; ich glaubte ein Unrecht zu begehen, wenn ich Sie nicht auf den Weg zur Bühne wiese; aber wenn die Dinge so stehen – das ist natürlich etwas anderes.«

Als Asmus durch die wunderschönen Alleen vor dem Dammtor nach Hause ging, war der Bühnentraum erloschen; das Schloß aus Rampenlicht und Lorbeerduft war versunken, und an seiner Stelle ragte schon ein anderes. Ein Wort seines Lehrers hatte ihn gestern befremdet. Er hatte gesagt:

»Jungens unterrichten, das können die andern auch.«

War Unterrichten denn wirklich etwas, was

jeder Beliebige konnte, wenn er nur nicht allzu dumm war? Waren Schulmeister nicht genau so gut Künstler wie Schauspieler? Konnte man nicht auch so unterrichten, daß man unersetzlich war, so unersetzlich wie ein Künstler? So wenigstens hatte er sich’s immer geträumt. Was war denn ein Lehrer, wenn er nicht ein Künstler war?