Er beschloß bei sich, diesen Unterricht so bald wie möglich abzugeben, und fand, daß der Modus seines ehemaligen Direktors noch der redlichste und erträglichste sei. Er trug den Kindern die Bibel vor, wie sie war, und enthielt sich jeder kritischen Beleuchtung. Nur sagte er dann nicht: Ihr könnt’s glauben, könnt’s auch lassen, sondern getröstete sich der Hoffnung, daß sie sich bei wachsender Reife in der Stille ihres Herzens wohl selbst mit diesen Dingen abfinden würden.

Ein herzlicher Unterricht konnte das freilich nur in solchen Augenblicken werden, wo die Naivität der biblischen Geschichten mit der Naivität der Kindesseele zusammenfiel; und in solchen Augenblicken atmete das Herz des jungen Schulmeisters erleichtert und beglückt. Und eine Fülle der Freuden quoll fast aus allen andern Stunden. Nur stampfte ihm Herr Drögemüller eines Tages auch in den Leseunterricht hinein.

Herr Drögemüller dachte es sich wunderschön, wenn alle drei neuangestellten Lehrer den Leseunterricht auf völlig gleiche Weise erteilen würden, und zwar auf ebendieselbe Weise, die er vor 25 Jahren auf dem Seminar erlernt habe. In seiner Schule sollte alles ordentlich hergehen: alle sollten auf Schuhen kommen, alle sollten Schulgeld zahlen, alle denselben Glauben haben und auf dieselbe Weise »gebildet« werden.

Einer der neuen Herren tat ihm auch den Gefallen; Asmus aber und der andere gingen ihre eigenen Wege. Herr Drögemüller bemerkte das mit Mißfallen.

»Machen Sie es nicht so, wie ich es Ihnen neulich gezeigt habe, Herr Semper?« fragte er.

»Nein,« lautete die ebenso kurze wie unzweideutige Antwort.

»Warum denn nicht?«

»Weil ich meine Weise für richtiger halte.«

»Aber Herr Semper – Sie werden wohl zugeben, daß ich mehr Erfahrung habe als Sie –.«

»Das mag sein; aber ich muß meine Methode selber finden, und nur nach der Methode, die meiner Überzeugung entspringt, kann ich unterrichten. Wenn es die Jungen immer machen müßten wie die Alten, dann könnten Sie und ich überhaupt noch nicht lesen.«