Mädchen mit seinen schmalen Füßen, in flatterndem Gewande über den sonnengrünen Teppich hüpfen sah, da schien ihm, daß die Welt wohl überhaupt schön sei, daß sie aber noch nie so schön gewesen sei wie an diesem Tage. Anmut der Bewegung und körperliche Geschicklichkeit waren nicht seine Stärke; aber mit dem, was er konnte, kokettierte er redlich, und er hatte das Gefühl, daß er plötzlich mehr könne, als er sich zugetraut. Freilich, bei einem unparteiischen Zuschauer würde auch Hilde Chavonne den Verdacht erweckt haben, daß ihr der Eindruck ihrer Sprünge und Tanzschrittchen nicht gleichgültig sei, und daß sie wie jedes junge, schöne, tanzende Weib um den Kopf eines Mannes tanze.

Und gewiß hätte Asmus ihr lieber seinen Kopf auf einer Schüssel entgegengetragen, als ihr von Liebe zu sprechen. Wenn es sich auf dem Heimwege traf, daß sie allein nebeneinander gingen, dann begann wieder jenes wunderlich-närrische Doppelspiel von Lippen und Herzen, das sie schon damals, nach Asmussens einmaligem Auftreten als König getrieben hatten. Sie sprachen über einen Roman oder über eine Schulverordnung oder über ein Sonnentaugewächs, das sie gefunden, oder über eine Wolkenbildung, und mit allem, was sie sagten, meinten sie: »Ich liebe dich – ich liebe dich!« Es war eine Chiffresprache, die sie redeten. »Dieser Weg führt nach Bahrenfeld,« bedeutete

soviel wie: »Du bist ein entzückendes Geschöpf!« »Die Linden haben ausgeblüht« sollte heißen: »Ich möchte dich küssen;« aber keiner hatte den Schlüssel zur Sprache des andern. Das Herz des Asmus drängte, raunte, flüsterte ihm zu wie ein eifriger Souffleur: »Sag’ es ihr, sag’ es ihr, tu den Mund auf – es ist gar nicht schwer – und sag: »Süße Hilde, ich hab’ dich lieb!« – »Wie kann ich denn ‘du’ zu ihr sagen!« erwiderte Asmus. »Meinetwegen sag’ ‘Sie’«, entgegnete das Herz, »aber sag’ etwas!«, und dann tat Asmus wirklich den Mund auf und sagte: »Jetzt wird ja auch bald der neue Bahnhof eröffnet.« Sie war doch zu hoch, zu heilig; sie konnte sich an einem Menschen wie ihm nicht genügen lassen. Sie hatte es ja auch bewiesen, als sie sich verlobte. An ihm war sie vorbeigegangen.

Endlich, endlich kam eine prächtige Gelegenheit, dem Herzen Luft zu machen. Mansfeld hatte mit seinen Schülern einen Ferien-Ausflug unternommen, und Asmus und die Damen hatten sich angeschlossen. In einer hübschen Gartenwirtschaft, die den freundlichen Namen »Zum Morgenstern« führte, hielt man Rast, und Hilde hatte sich daran gemacht, die gepflückten Feldblumen zu einem Strauße zu ordnen, als Asmus zu ihr trat. Mansfeld und Frau waren abseits mit den Kindern beschäftigt.

XLIX. Kapitel.

Asmus Semper wird streitsüchtig, wettet, lügt, vergreift sich an Goethe und benimmt sich feige.

»Wo haben Sie die Calluna gepflückt?« fragte Asmus, indem er einen Zweig der Glockenheide aufnahm.

»Im Moor. Aber das ist nicht Calluna, das ist Erika.«

»Das ist Calluna.«

»Das ist Erika.«