Als sie an seinem Elternhause vorüberfuhren, neigte er sich ans Wagenfenster und sah so lange hinaus, bis das Haus seinen Blicken entschwunden war. In diesem Augenblick fuhr ihm wie ein Blitz ein künftiges Gedicht durchs Herz, und einige Tage später schrieb er es auf.
Am Hochzeitstage.
Laut rollt der Hochzeitswagen durch die Gasse. Wir ruhen drin, zu stillem Glück geeint. Sieh, wie die Sonne glänzt durch Regenwolken: Die Hoffnung lacht – und die Erinn’rung weint.
So ist’s ein Fest der Wonne wie der Trauer. Ich fühl’s, da neue Liebe mich beglückt, Wie lang genoss’ne, unvergoltne Liebe Mit schwerem Vorwurf meine Seele drückt.
Der Eltern denk’ ich, der verlass’nen, alten, Und während mich dein Zauber sanft umgibt, Erfaßt es mich mit wehmutsvoller Mahnung, Wie zärtlich sie mich je und je geliebt.
Sie ließen mich den Traum der Jugend träumen,
Leicht schlug mein Herz! – ihr Haupt war sorgenschwer. So zweifle nicht, wenn sich mein Auge feuchtet. Der Sommer prangt; ein Frühling kommt nicht mehr.
Wie rasch der Wagen rollt! Wir fliegen selig Und zukunftstrunken in die Welt hinaus. Euch Sternen meiner Jugend send’ ich Grüße Ins abendrotumkränzte, stille Haus.
Verzeiht dem heißen Drang der jungen Seelen, Der euch des vielgeliebten Sohns beraubt. Unsterbliches Gedächtnis eurer Liebe Und Segen über euer greises Haupt!