O Menschen, habt Geduld, und tut es nicht Den Kindlein gleich, die in den Boden kaum Den Samen senkten und nach Blumen schon Und reifen Früchten späh’n! Taucht die Gedanken Ins märchengraue Alter dieser Welt Und steigt empor dann und erkennt, daß gestern Der Mörder Kain seinen Bruder schlug.
Du dachtest recht, mein Freund: wär’ diese Welt Ein Einerlei, die Macht, die sie erschaffen, Sie hätte längst zerstört ihr blödes Spiel. Doch sieh, soweit in diesem Reich des Lebens Die Wasser wandern, hat noch nie ein Quell, Noch nie ein Strom den Weg zurückgenommen – So glaube: auch der Strom des Lebens nicht. »Vorwärts zum Licht!« das ist der Sinn der Quellen, »Vorwärts zum Licht!« das ist der Ströme Sinn, Die deine Seele, deinen Leib durchrinnen. Er, der die Welt gewollt und dessen Namen Kein endlich Wesen nennen darf noch kann, Er gab, daß eures Wesens tiefste Quellen Zum Lichte geh’n – und gab euch, daß ihr’s wißt!«
So sprach der Ewigjunge. Oder sprach’s Der Quell? Im Silberklange rann zusammen, Was Chidhr sprach und was die Quelle sang. Und Falterflug des Traumes hob mich lautlos Von dannen, und vom Tageslicht geblendet, Erwacht’ ich jäh. Am Waldesrand erwacht’ ich, Wo singend aus dem Fels die Quelle springt, Wo Morgenlicht von tausend Himmeln floß.
Sie nahm Ihm leise das Blatt aus der Hand und suchte darin eine Stelle, und als sie sie gefunden hatte, sprach sie langsam und leise:
Er, der die Welt gewollt und dessen Namen Kein endlich Wesen nennen darf noch kann, Er gab, daß eures Wesens tiefste Quellen Zum Lichte geh’n – und gab euch, daß ihr’s wißt!
Wie immer hatte sie ihn verstanden. Und als sie nun die dunklen Augen in heiligem Ernste zu ihm erhob, und als sein froher Blick in diese Augen selig versank, da sprach Asmus Semper in seinem Herzen:
»Ein volles Glück – bei Gott, ein volles Glück.«