Zunächst freilich war es eine Bereicherung von zweifelhaftem Wert. Sie unterhielten sich auf ihren Wanderungen stundenlang mit bitterem Ernst über Fragen der Politik, der Volkswirtschaft, der Gesellschaftsmoral, der Philosophie, kurz de omnibus rebus et quibusdam aliis. (Morieux war immer nach zwei Minuten auf eine Hanswursterei abgesprungen.) Dabei sprachen sie auch von ihrer Zukunft.

»Ich bleibe nicht Lehrer,« sagte Herrig, »ich werde Afrikaforscher.« Da war es Asmussen, als ob plötzlich eine unbekannte Gewalt, von der er nie gewußt, die gar nicht aus seinem Innern, sondern aus einer weiten Zukunft zu kommen schien, ihm ein Wort auf die Lippen legte:

»Ich – ich –« sprach er zögernd, »ich möchte ja wohl Dichter werden!« Und schnell setzte er hinzu: »Aber das ist ja natürlich Unsinn.«

Dann gab es einen Tag, da gingen John und Asmus lange schweigend nebeneinander her.

»Warum reden wir eigentlich nichts?« sagte Asmus endlich.

»Hm,« machte Herrig, »weil wir nichts mehr zu streiten haben. Ich habe nach und nach alle deine Anschauungen angenommen.«

Asmus erschrak fast, als Herrig so nüchtern den wahren Sachverhalt feststellte. Er hatte recht: das innere Freundschaftsverhältnis war eigentlich abgestorben. Anschauungen aber, die man von einem anderen angenommen hat, weil man nichts mehr zu erwidern wußte, sind immer ein zweifelhafter Reichtum gewesen.

Asmus indessen ertrug es nicht, einen toten Freund mit sich herumzuschleppen. Er versuchte, von seinem Blut in die Adern seines kalten, blaßhaarigen Freundes hinüberzuleiten. Sie wollten an den herrlichen Sonnabend-Feierabenden etwas zusammen arbeiten. Und er holte Schillers Briefe über ästhetische Erziehung hervor, an denen er sich schon einmal geärgert hatte, weil er sie nicht verstand. Vielleicht gelang es, sie mit zwei Köpfen zu bewältigen. Aber nach einigen Briefen mußten sie’s abermals aufgeben. Nun studierten sie Latein zusammen und lasen den Gallischen Krieg. Auch andere römische Autoren lasen sie; wenn sie ihnen lateinisch zu schwer waren, dann in Übersetzungen, und in den anschließenden Unterhaltungen fanden die alten Herren eine mehr oder weniger endgültige Beurteilung.

»Dieser Ovid ist doch ein fürchterlicher Quatschkopp!« rief Herrig eines Abends aus.

Das ärgerte Asmus und er versetzte: