er mußte reden, um seiner Gemütsbewegung Herr zu werden. Er schämte sich viel mehr als sein Freund; er war über und über rot geworden, lief planlos im Zimmer hin und her und stellte seinem Gast die beiden besten Stühle hin, obwohl er ihn ins Sofa gebeten hatte.

Morieux fing an, von seinem Verschulden zu sprechen.

»Aber ich bitte dich!« rief Asmus, »sprich nicht davon. Wenn ich mich vertrage, hab’ ich alles Vergangene vergessen. Ich hatt’ es sowieso schon vergessen. Da – hier – spiel’ mir was vor!« Er drückte ihm die Geige in die Hand. »Bitte, bitte, die F-Dur-Romanze!«

Und Beethovens Töne schwemmten alle Kleinigkeiten hinweg.

Drei Wochen sollte er so genießen! Was konnte man da für Spaziergänge machen, für Bücher lesen, für Duette spielen, für Gedichte machen – es war nicht auszudenken! Ganze Epopöen konnte man dichten! Er begann auch sofort mit einer breit angelegten Dichtung »Niobe«, in der die vierzehn Kinder der bejammernswerten Tantalstochter einzeln starben. Ach ja, Ferien waren doch noch schöner als die schönsten Unterrichtsstunden! Auch als Junge war er – wenn seine Mitschüler ihn nicht peinigten – mit Lust zur Schule gegangen, ja, die Geschichts- und Geographie- und Physikstunden des Herrn Cremer waren ihm zuzeiten das Liebste auf der Welt gewesen; aber das

Allerliebste blieben doch die Ferien. Als er noch in der Klasse des Herrn Rösing gewesen war, da war eines Morgens ein Lehrer gekommen und hatte gesagt:

»Ihr könnt wieder nach Hause gehen, Herr Rösing ist krank.«

»Hurra!« hatte die ganze Klasse geschrien. Da hatte der Lehrer gerufen: »Jungens, seid ihr des Teufels? Wenn euer Lehrer krank ist, brüllt ihr Hurra?«

Aber das war eine tendenziöse Zusammenstellung. Sie dachten gar nicht an die Krankheit des Herrn Rösing; sie dachten nur an ihre Freiheit. Sie gönnten dem Lehrer jedes Wohlbefinden, wenn er nur nicht kommen wollte. Und auch Asmus hatte Hurra geschrien ...

Aber seine Ferien waren noch nicht ganz; einige Tage mußte er noch in die Schule zum Unterrichten, und dann mußte er noch eine Prüfung ablegen: prüfend sollte er geprüft werden. Da der kranke Lehrer noch immer nicht wieder erschienen war, so mußte Asmus »seine« Klasse bei der öffentlichen Prüfung vorreiten. Das war wieder eine bange Stunde; denn hinter ihm, neben ihm, an den Wänden entlang und auf den Bänken der Kinder saßen und standen sämtliche Damen und Herren des Kollegiums. Auch Laura war natürlich da und die beiden Leonoren; und ganz hinten auf der letzten Bank saß Beatrice, oder, wie sie eigentlich hieß: Hilde Chavonne. Sie hatte zum ersten Male die