»Wissen Sie, was Schiller sagt?« rief Asmus.

»Nee,« sagte der Herr.

Und Asmus rezitierte mit hochgeröteten Wangen:

»Monument von unsrer Zeiten Schande, Ew’ge Schmachschrift deiner Mutterlande, Rousseaus Grab, gegrüßet seist du mir! Fried’ und Ruh’ den Trümmern deines Lebens! Fried’ und Ruhe suchtest du vergebens; Fried’ und Ruhe fand’st du hier.

Wann wird doch die alte Wunde narben? Einst war’s finster, und die Weisen starben; Nun ist’s lichter, und der Weise stirbt. Sokrates ging unter durch Sophisten, Rousseau leidet, Rousseau fällt durch Christen, Rousseau – der aus Christen Menschen wirbt.«

Die Worte »Schande«, »Schmachschrift«, »Sophisten« und »Christen« hatte Asmus mit anzüglicher Betonung hervorgehoben.

»Ja, das ist ja sehr formvollendet,« sagte der Gedörrte mit einer empörenden Kälte, »aber Schiller ist für mich auch nicht maßgebend.«

»Was? Schiller –?«

Asmus wollte aufspringen; aber jener andere Herr legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte: »Ich werde Ihnen mal Rousseaus »Bekenntnisse« leihen; die werden Sie interessieren.«

»O ja! Herzlichen Dank!« rief Asmus, und am nächsten Tage stürzte er sich in die »Bekenntnisse«.