»Wo zum Weib du nicht die Tochter Wagen würdest zu begehren, Halte dich zu wert, um gastlich In dem Hause zu verkehren.«

Der Kopfhänger Asmus richtete sich hoch auf, und zu Hause angelangt, schrieb er sofort an »Stadtratens«, daß er durch Privatstunden und

andere Pflichten leider verhindert sei, fernerhin zum Essen zu kommen, und daß er für die erwiesene Güte danke.

Bei dem reichen Lederhändler aber, der Senator werden wollte, hielt er’s nur eine einzige Mahlzeit aus. Als man zum Essen ging, wollte Asmus schon seinen Stuhl vom Tische abrücken, um sich darauf zu setzen, da bemerkte er, daß alle hinter ihren Stühlen stehen blieben zum Gebet. Er trat schnell ebenfalls hinter seinen Stuhl, faltete aber weder die Hände noch senkte er den Kopf, um nicht den Anschein zu erwecken, daß er mitbete. Der Hausvater tat, als habe er nichts bemerkt; aber gegen Ende der Mahlzeit flocht er in sein erbauliches Gespräch ein Sprüchlein ein, das lautete:

»Wer ungebetet zu Tische geht Und ungebetet vom Tisch aufsteht, Der ist dem Öchs- und Eslein gleich Und hat nicht teil am Himmelreich.«

Durch diese liebevolle Weltanschauung fühlte sich indessen Asmus nicht einmal so weit überzeugt, daß er beim Gebet nach Tisch die Hände faltete, vielmehr sagte er sich auf dem Nachhausewege: »Kann ich erwarten, daß die Leute meinetwegen nicht beten? Ganz gewiß nicht. Können sie verlangen, daß ich aus Dankbarkeit für das Mittagessen mitbete? Ebensowenig. Ich bete nicht. So nicht. So nicht!« rief der Jüngling, der nach der Ansicht des Lederhändlers

keinen Teil am Himmelreich hatte, laut vor sich hin, so laut, daß ein kleiner Junge ihn anstarrte und ihm eine Weile nachschaute. Und merkwürdig, wieder fiel ihm ein steifnackiges Wort Theodor Storms ein:

»Auch bleib der Priester meinem Grabe fern; Zwar sind es Worte, die der Wind verweht; Doch will es sich nicht schicken, daß Protest Gepredigt werde dem, was ich gewesen, Indes ich ruh im Bann des ew’gen Schweigens!«

XVIII. Kapitel.

Wie Asmus schlafwandelte und die Gedankenwelt des Herrn Quasebarth auf den Kopf stellte.