»Ja, bist du nicht der Meinung?«

»Nein,« erwiderte Asmus kalt. Er wußte ganz genau, daß er’s besser konnte. Das sagte

er zwar nicht; aber er sah auch nicht den geringsten Anlaß, das Gegenteil zu lügen.

Wiedemann machte noch immer ein lammfreundliches Gesicht mit Ausnahme der Augen. Augen sind Löcher, die der Herrgott im Menschenkörper gelassen hat wie die Gucklöcher in einer Verbrecherzelle, damit der Mensch nicht allzu ungehindert heucheln könne. Augen heucheln nicht mit. Wiedemanns Antlitz und Stimme streichelten; aber seine Augen stachen, als er nun fragte:

»Wer schreibt hier denn einen besseren Aufsatz?«

Und obwohl ihm Asmus jetzt durch die grünglimmernden Augen bis in die Nieren schaute, sagte er:

»Du nicht.«

In solchen Augenblicken kam etwas wie Husarengeist über ihn. Wiedemann ging erquickt von dannen.

Und er ging aus wie ein Säemann, zu säen seinen Samen, und verbreitete die Kunde, Semper habe sich für den besten Aufsatzschreiber der ganzen Klasse erklärt, er halte sich überhaupt für den Klügsten von allen und finde die Arbeiten Freys nur »so ziemlich«. Dies sagte er besonders zu Frey. Seltsamerweise blieben aber Frey und Semper die besten Freunde.

Sonst aber fiel Wiedemanns Samen auf gutes, fruchtbares Land, und Asmus fühlte wohl, daß die Stimmung gegen ihn wuchs.