Nach acht Tagen wurde Puck nach Hause geschickt, er brachte ein Manuskript mit und sagte spöttisch:

„Positive Arbeit, die einzige, die ich geleistet habe. Nun kann ich sie drucken lassen, so beweist man seine Prinzipien. Es ist keine Spur von Humor in den Versen, dieweil ich mich der Welt als Humorist angekündigt habe. Aber ich gebe mich nicht besiegt. Was tut man mit Versen, wenn sie gedichtet und gedruckt sind? Falsch bescheiden warten, bis einer sie aufgreift? Das ist unanständig, dann schon lieber selbst nachhelfen, tun, als ob man etwas geleistet hätte, und ein Vergnügen daran haben, daß man vom Produkt von acht Tagen ein Jahr lebt — ich werde das Heilsarmeetempo, das wir an irgendeinen fiktiven Einfall wenden wollten, an mich selbst wenden, auch das ist Ironie.“

Größre Ironie war, daß der Redakteur, den seine Freunde verachteten, ihn entdeckte. Aufsatz des Kritikers war Posaunenstoß, es folgte Einladung der literarischen Gesellschaft zu lesen, Vorstand des Gottfried-Keller-Bunds drückte ihm die Hand, Auffordrung erfolgte aus Berlin, ein Stern war aufgegangen.

Lauda, der Vorlesung beiwohnend, fand ihn liebenswert, Kind mit der ernsthaften Brille bemühte sich zu zeigen, daß Erfolg es nicht verschlingen werde.

„Warum,“ fragte er ihn, „verbergen Sie Ihren Kern, der Stärke des Leids ist, Demut des Schmerzes?“

„Ich komme nur auf Brücken der Lustigkeit zu ihm, lassen Sie sie mir. Soll ich mich als Dichter des großen Pathos etablieren, Firma eingetragen in das Register der Literaturgeschichte? Wer andrer als Sie sprach von Aufhebung?“

„Das konstruieren Sie nachträglich. Ich wollte sagen, daß Sie selbst nicht wußten, was in Ihnen Kern ist, Sie sollen ihn nicht leugnen.“

„Noch verläßt mich das Schauspielergefühl nicht, von dem ich Ihnen erzählte, aber seltsam ist, daß es mir selbst nur Verkleidung zu sein scheint, der Kunstgriff eines Gotts, der mich in eine Bahn drängt, gegen die ich mich sträube. Niemand kann begreifen, wie befremdend es ist, sich auf dem andren Ufer wiederzufinden. Es sprang einer durch eine hochgezogne Fensterscheibe, Akt reinen Bluffs, und ward durch ihn zum Bürger.“

Lauda hatte versucht, den jungen Rudolfi zu seinem Gehilfen zu machen. Gehilfe hieß Kamerad, es lag ihm nichts daran, einen Angestellten zu haben. Zwanzigjährige Jugend und deutsche Weichheit, die an Schubert dachte, wenn Brüder von Krepierten sprachen — doppelte Möglichkeit. Wenn er erreichte, dem Knaben Straffheit, dem Musikalischen einen Tropfen lateinischer Bestimmtheit zu geben, ihn zu lehren, daß, wer wirken will, klar von einer gegebnen Stellung aus entwickeln muß, den Gegner ohne Relativität und Gefühlsbrücken als Gegner sehend, dann gelang Synthese, auf die es ankam, aus Geistigkeit und politischem Willen.

Der geistige Mensch, wie er ihn empfand, Herrscher in der absoluten Sphäre, in der es keine Wertung mehr gibt, konnte nur dadurch brauchbar für die reale Sphäre gemacht werden, daß er seine fluktuierende Energie, die dazu diente, die Berechtigung aller Standpunkte kausal zu erklären, entschlossen auf ein ordnendes Prinzip verdichtete, die Hochspannung in den Transformator eines ethischen Postulats leitete.