Als ob ihnen etwas zerstört sei, so fühlten sie sich.
Was zerstört war, war nicht ihr schwesterliches Zusammenleben, auch nicht die Unbefangenheit, mit der sie bisher der Wirklichkeit des Lebens gegenüber gestanden hatten, sondern der Rhythmus ihres Hauses, die Melodie seiner farbigen Stille.
Die hellen Wände, die alten Möbel, ihre Tannenallee, ihr Rasen, dies alles hatte durch die Gesellschaft, die sich hier breitgemacht hatte, einen Teil seines Zaubers verloren.
Die Stimmung, die bisher über den Kleinigkeiten ihres Lebens ausgebreitet gewesen war, war mit einem Male zerrissen, und sie konnten die Fäden nicht finden, sie neu zu weben.
Selbst Julies mokantes Lächeln, das sonst wie ein reinigender Luftzug allen zurückbleibenden Dunst aus dem Hause geweht hatte, versagte heute.
»Das war nicht schön!« meinte sie matt.
Und Evelyn, die verschüchtert auf einer niedrigen Bank saß, erklärte nach einer Weile: »Ich hätte ihn nicht geheiratet!«
XVI
Heinrich Craner, der in Berlin eine möblierte Wohnung im Hansaviertel bewohnte, hatte eine Karte von seinem Bruder erhalten, daß Julie Hellwege am siebzehnten Mai mittags in Berlin eintreffen werde, und daß er ihn bitte, sie abzuholen und nach ihrer Pension am Nollendorfplatz zu bringen.
Es war Heinrich etwas peinlich, mit Julie zusammenzutreffen; denn er zweifelte nicht, daß sie von seiner Werbung um Agnes Elisabeth wüßte. Und er hatte nicht gerade den Wunsch, über diese Angelegenheit zu sprechen. Denn sie beschäftigte ihn nicht mehr so ausschließlich, wie es während des Winters der Fall gewesen war.