Drüben auf dem Kieswege wurde das Glück sichtbar. Man sah ein schweres Atlaskleid, — das Weiß ließ Mariannes runde Glieder dick erscheinen, — einen grünen Kranz und ein Gebäude von stehendem Tüll, nicht zu vergessen einen schwarzen Arm, der quer über die Taille ging, sie umschlang und sie, von der Ferne gesehen, gleichsam zerschnitt. Daneben Schwarz, eine breite Masse von Schwarz, mit einem ganz schmalen weißen Streifen, das war Lukas Allms Kragen.
Die beiden schwammen in Glück. Auf ihres Lebens breitem Fluß schimmerte Sonnenlicht. Sie trieben dahin, schlossen die Augen unter den Strahlen und atmeten die seidenweiche Luft.
Trotzdem konnte von einem alle Winkel ausfüllenden Genießen dieses Sommersonnentages nicht die Rede sein. Denn ihre Blicke gingen allzuoft nach jener geheimnisvollen Biegung, die der Strom dort unten machte, wo er in den Wald hineinglitt, hinter dessen schweigenden Bäumen unbekannte Dinge warteten. Nicht, daß sie ungeduldig gewartet hätten; aber es ging eine Anziehung von dort aus, und je weiter die Sonne sich nach Westen wendete, um so unmittelbarer wurde ihre Kraft.
Nun kam Agnes Elisabeth und bat zum Kaffee. Der allgemeine Aufbruch nach dem Platz unter den Ahornbäumen gab dem Brautpaar Gelegenheit, zu verschwinden, um sich für die Reise umzukleiden.
Draußen saß die Hochzeitsgesellschaft an einer langen Tafel. Auf der einen Seite ging es geräuschvoll zu, — es fehlte nicht an Vettern und Freunden, die sich eine Hochzeit ohne animierte Stimmung nicht denken konnten, — auf der andern jedoch — dort saß die nähere Verwandtschaft — gebrach es an Gesprächsstoff: nachdem man sich während des Essens einander mit unterstrichener Freundlichkeit genähert hatte, kamen sich jetzt alle mit einem Male vereinsamt vor und saßen stumm nebeneinander. Nur der Pastor sprach unentwegt, sog an einer großen Zigarre und schien sehr aufgeräumt zu sein.
Evelyn und Julie gingen nacheinander ins Haus, um Marianne Lebewohl zu sagen. Nach einer Weile erschien die Braut in dem für Hochzeitsreisen vorgeschriebenen Anzug. Die alte Kalesche des Bauern Teetje hielt vor dem Garten. Dann kam Lukas Allm; er trug ein Köfferchen und hob es gewichtig auf den Bock. — Schließlich wurde es der gewöhnliche Abschied: Marianne weinend von einer Schwester zur andern, Frau Allm mit Tränen der Rührung am Halse ihres Sohnes, die näheren Verwandten mit würdigen Mienen in einigen Schritten Abstand, im Hintergrund die Jugend, gaffend, mit unverschämtem Zartgefühl ...
Dann reckte sich Lukas Allm in die Höhe, sah nach der Uhr und drängte zur Abfahrt. Marianne riß sich schluchzend los.
Und endlich rollte der Wagen die Chaussee hinunter, während der Pferdeknecht mit der Peitsche knallte, um die Gäule, die vor dem Torfwagen nie anders als im Schritt gingen, zu einem Galopp oder Trab zu überreden.
Die Gesellschaft blieb nicht mehr lange beisammen. Genau eine halbe Stunde nach der Abfahrt des jungen Paares fuhr Wilhelm Craners Wagen vor, und Tante Sophie atmete erleichtert auf, als sie darin saß. Ein Jagdwagen brachte die übrigen Gäste nach der Stadt zurück. Frau Allm bat die Schwestern, bei ihr zu Abend zu essen, aber Agnes Elisabeth lehnte ab.
Und endlich waren sie allein.