»So!« Die angenehme Empfindung war sofort zerstört. Craner machte ein verlegenes Gesicht. Er war erbittert. Sie schwiegen, bis der Wagen vor der Pension am Nollendorfplatz hielt.
»Sie erlauben, daß ich Ihnen gelegentlich etwas von Berlin zeige?« Er war stolz, daß er seine Verstimmung mit ruhiger Überlegenheit verbarg. Übrigens war Julie eigentlich ganz pikant, und dann machte es auch einen guten Eindruck, wenn man sich einer Verwandten ritterlich annahm.
Es sei liebenswürdig von ihm, sie wolle daran denken!
Das war nun ihr Zimmer. Eine Atmosphäre von braunem Plüsch. Man konnte nicht mehr und nicht weniger verlangen. Für den Preis gab es eben dieses Zimmer. Jeder Gegenstand darin schien zu wissen, daß er mit dazu beitrug, die Höhe dieses Preises zu bestimmen. Die Aussicht auf die Anlagen, das Sofa, der Schreibtisch, dies alles war eingeschätzt worden und ergab, zu der Lage und der Verpflegung hinzuaddiert, den Wert pränumerando.
Dann erschien auch Fräulein Meusel, in einem blauen Schneiderkleid mit Litzenbesatz.
»Herzlich willkommen, mein liebes Fräulein Hellwege. Ich hoffe, Sie fühlen sich bei uns wohl!« sagte sie mit kühler, geschäftsmäßiger Freundlichkeit.
Julie war angenehm berührt. Sie machte den Eindruck einer Dame, sie wollte nicht mehr sein, als sie war, und führte ihre Pension und schrieb ihre Rechnungen. Allerdings, Rechnungen mußte sie schreiben ...
Dann ging man zu Tisch.
»Fräulein Auguste Berg, unsere Gelehrte, Fräulein Liecke, Sängerin, Fräulein Thea Allenbach, unsere kleine Bildhauerin.« Damit setzte sie sich.