Gleich während der Suppe fühlte Julie sich von drüben fixiert. Sie bemerkte mit Unbehagen, wie Thea Allenbachs Augen über ihr Gesicht gingen und in jede Ecke stöberten. Erst lachte sie gezwungen, aber schließlich fragte sie über den Tisch hin:

»Warum sehen Sie mich immer an?«

»Oh, ich bin Bildhauerin! Sie haben so ein entzückend schmales Kinn! Dieser Zug hier ...« Sie machte eine affektierte Bewegung. »Sie haben gewiß schon viel erlebt!«

Julies Hand strich über ihren Hals.

»Ich bin Künstlerin, wissen Sie, und da achtet man auf alles!«

»Sie sehen heute recht blaß aus!« sagte Fräulein Meusel zu der Sängerin.

»Mein Herz wollte mal wieder nicht mit!« erklärte Fräulein Liecke mit wehleidigem Pathos. »Nächste Woche soll mein Konzert sein und ich kann nicht singen. Mit mir wird’s wohl überhaupt bald zu Ende gehen.«

»Ach was, Liecke,« sagte Thea, »erst werden Sie die Welt noch von sich reden machen. — Fräulein Liecke hat eine himm—lische Stimme!« wendete sie sich an Julie.

»Eine Altstimme?«

»Und was für eine! Zwei Töne tiefer als ein Ochse, sagt ihr Professor!«