Die Unterhaltung amüsierte Julie. Übrigens war sie auf diese Altstimme gespannt. Wenn Fräulein Liecke sprach, hatte sie vorläufig keinen anderen Eindruck, als eine Erinnerung an Öl und Vanillegeruch.

»Sind Sie auch musikalisch?« fragte Fräulein Meusel.

»Nein, eigentlich nicht,« entgegnete Julie.

Auguste Berg rückte ihren Klemmer zurecht.

»Endlich mal eine, die nicht Kunstenthusiastin zu sein scheint. Gott sei Dank! Heutzutage, wissen Sie, haben die jungen Mädchen überhaupt nichts anderes im Kopf als Kunst. Die notwendigsten Fragen des Lebens,« sie nestelte an ihrem Kragen, »die notwendigsten ...«

Julie dachte, sie würde es nun wohl so oft sagen, bis der Kragen zugehakt wäre. Und da es nicht kam, nahm sie es ab. »Die notwendigsten Fragen? Sie interessieren sich also dafür?«

»Ja, gewiß!«

»Ja unserer Zeit, wo endlich die Frau erwacht, wo sie ihre Persönlichkeit findet, wo wir neue Bahnen gehen und das Feld unsrer Tätigkeit mehr und mehr erweitern, ist es die Pflicht jeder Frau, wenn sie überhaupt Anspruch auf den Namen Frau erheben will, mitanzufassen!«

»Struve hält die ägyptische Kunst überhaupt für die größte. Struve ...«

»Gott, hören Sie auf!« sagte die Liecke, »wir wissen, Struve ist der einzige Künstler! Struve, Struve ...«