Ein Konzert, in dem Symphonien von Gassenhauern begleitet werden und Tänze neben Trauermärschen klingen.

Ein Publikum, das sich hineindrängen läßt und nicht weiß, was gespielt werden wird.

Die meisten hören eine Musik, die ihnen nicht gefällt, und blicken neidisch auf die anderen, die im Konzert eine Elitenummer erwischt haben.

Wenige nur, die so klug sind, sich die Stücke auszusuchen, die sie hören wollen, die einen Blick ins Programm werfen und, wenn sie nicht finden, was sie brauchen, zu Hause bleiben und sich ihre Musik selbst machen.

Julie und Peter gehörten zu diesen wenigen. Zwar bot ihnen das Programm der Familie Brautgesang und Hochzeitsmärsche. Aber dergleichen mochten sie nicht hören.

An jenem Weihnachtsabend hatten sie ihre eigene Musik gefunden. Mit einer stillen Frage hatte sie begonnen, und eine Antwort war gekommen, brausend wie großes Orchester, mit Strömen von Licht und Wogen von Farben. Monate gingen, in denen nur diese Musik erklang, ein breites Andante voll Andacht, ein sonniges Scherzo mit Julies Kinderlachen, ein weinendes Adagio, mit Tränen allzu großer Freude, ein Presto, in dem es jubelte vor Glück.

Der Frühling war schon im Lande, als wieder ein neuer Satz begann. Es war dasselbe Thema, das er brachte, und doch ein anderes. Sie schwiegen ergriffen, als sie es hörten, sie falteten ihre Hände. War es nicht etwas Neues und Großes? Und war es nicht doch das alte?

Nur eine Melodie war hinzugekommen, aber um diese eine Melodie rankte sich alles herum; alles klammerte sich an ihr fest, ward zu einem Crescendo, das in ihr seinen Höhepunkt fand.

Aus der alten Melodie war die neue der Mütterlichkeit geworden.