Da empfand Julie zum ersten Male Angst. —
Sie tranken Kaffee und aßen Butterkuchen. Eine Weile war es still zwischen ihnen. Julie machte sich bewußt, daß sie eigentlich überhaupt noch nicht miteinander gesprochen hatten. Agnes Elisabeth aber schien es nicht anders zu wollen; sie aß und trank und sah vor sich hin; ab und zu fuhr sie zusammen und warf einen scheuen Blick hinter sich. Sie mußte das immer schon getan haben, denn sie schien es gar nicht mehr zu wissen. Sie mochte mit ihrem Gedanken auch so fern sein, daß Julies Gegenwart sie kaum berührte.
»Wie fein hier alles geharkt ist!« sagte Julie. »Früher sah es nicht so schön aus. Wer tut das?«
»Ich! Man kann dann besser sehen, ob irgend jemand im Garten war.«
Julie sah erschrocken auf.
»Geht denn manchmal jemand durch den Garten?«
Agnes Elisabeth schwieg. Nach einer Weile sagte sie langsam:
»O ja!«
»Wer? Hier hat doch niemand etwas zu suchen. Mich hat es schon gewundert, daß Teetje immer hier war. Ist er es?«
Agnes Elisabeth lachte. Ganz anders, als Menschen sonst lachen. Früher hatte sie anders gelacht, dachte Julie. Jetzt verzog sich nur der Mund, und ein kleiner, grauenvoll harter Ton kam heraus. Vielleicht lacht so einer, in dem die Einsamkeit allzu laut schreit: er will sie zum Schweigen bringen, will endlich wieder seine eigene Stimme hören und hat doch Angst, daß sie von den Wänden zurückkomme und nicht mehr seine eigene Stimme sei, sondern tausend fremde.