Keiner sollte sprechen. Worte sind gleich Steinwürfen in einen schweigenden See. Unter gläserner Fläche schlief Angst und Entsetzen.

Die da saßen, wußten das.

Sie fühlten diese Augen. Sie wollten sie nicht sehen und hängten doch ihre Blicke an sie. Sie schauten weg und sahen sie doch überall.

Die Angst war in ihnen, sie lauerte in der Tiefe ihrer eigenen Seelen.

Die eine schielte nach der Seite, ob da etwas wäre, fürchtete die Büsche, in denen sich einer verstecken könnte, und zitterte vor dem Schatten, weil er dunkel war, und vor der Helle, weil sie schrie.

Die andere sah ungewisse Lichter der Zukunft und wartete auf Schmerzen, sie lachte ihrem Kinde zu und breitete die Hände aus, damit der Tod es nicht sehe.

So ging der Sommer vorüber.

XXXIV

In den ersten Tagen des Oktobers wurde das Kind geboren. Es war ein Junge, und Julie nannte ihn nach Peters zweitem Vornamen Niels. Von allen Schmerzen blieb ihr keiner erspart, aber Julie ertrug sie lächelnd und hatte sie schnell wieder vergessen über der Wirklichkeit, die anders war, als sie gedacht hatte.

Die ersten Tage dämmerten vorüber, mit heruntergelassenen Rouleaus, langsam wandernden Sonnenflecken, Fenchelgeruch und Krankenzimmerstille. Das hielt Julie nicht lange aus, sie hörte nicht auf zu bitten, man solle sie in den Garten bringen. Weil der Herbst so weich war und die Laube so geschützt, taten sie ihr den Willen und trugen sie des Mittags hinaus. Da durfte sie in der Herbststille liegen, unter dem träumerischen Himmel, bis gegen vier. Niels war bei ihr, und wenn Agnes Elisabeth an den Hecken Hagebutten sammelte, konnte sie sehen, wie Julie mit dem Kinde sprach. Nur das Lächeln auf Julies Gesicht sah sie, und das fließende Sonnengold in ihren Haaren. Nicht mehr! Eigentlich wollte sie auch das nicht sehen!