Draußen atmete ein Klingen, gleich einem Blinzeln der Sonnenhitze, die im Garten hing. Durch die Ritze zwischen der Fensterbank und der blauen Kante kam es herein und glitt auf dem Teppich müde hin und her. Es war eine Glocke, die am anderen Ende des Dorfes zu Frau Hellweges Begräbnis geläutet hatte und nun wieder einschlief. Auf der Diele erwachte ein verworrenes Geräusch von Stimmen. Ein Huhn gluckste, Schritte schlürften. Die Türklinke bewegte sich und wurde mit einem harten Ton heruntergedrückt. Das Rouleau bebte, schrak auf. Das Zimmer erwachte.

Die Tür öffnete sich. Eine Welle von gelbem Licht flutete herein. Marianne stand auf der Schwelle.

»Nein, diese Tante Laura!« sagte sie empört. »Hast du gesehen, Julie, wie sie die Tränen in den Augen zerdrückte!«

Julie trug einen Teller mit Butterkuchen herein.

»Das ist alles, was sie übergelassen haben.«

Julie verzog die Nase.

»Neben mir stand der junge Klattenberg, der roch nach Pomade! Ich mußte an dich denken.« Sie sah geradeaus. Die feine Linie um den Mund verschärfte sich; ihre Hand strich langsam vom Ohr über den bloßen Hals. »Jedenfalls ist mir über all dieser Unwahrheit meine eigene Trauer ganz verloren gegangen. Ich freute mich, wie der Sarg endlich hinuntergelassen war und ich die Stimme des Pastors nicht mehr zu hören brauchte.«

Gesche kam mit rotgeschwollenen Augen und brachte ein Teebrett. Julie setzte die Tassen auf den Tisch.

»Was hattest du eigentlich für eine lange Unterhaltung mit dem Schullehrer?« fragte sie.

Marianne wurde verlegen und sah weg. »Ach, nichts weiter! Er hat mir kondoliert.«