Wo war die Sonne ...?

Sie schaute nach ihr aus. Aber sie war nicht mehr da. Sie wendete sich um und suchte.

Über den Himmel war ein seidiger Schimmer gespannt, und dort drüben schwamm in zähem Dunst ein gelbliches Licht.

Wie schnell hatte sich das verändert! Soeben noch ...!?

Auch über dem Eise sah es anders aus, glasig, fast goldgrün; die Bäume waren wie übergossen von lauwarmem Gold.

Plötzlich dachte sie an das Kind. An welches Kind ...? An das Kind, das sie küssen wollte! Jetzt erst fiel ihr ein, daß es höchste Zeit sein müßte, umzukehren. Sofort waren eine Menge Gedanken da, das Abendbrot, ob Gesche nichts vergessen würde, morgen reines Tischzeug, Silberputzen ...

Plötzlich wurde sie sich mit der Klarheit früherer Tage bewußt, daß sie schnell laufen müsse, wenn sie noch vor Dunkelheit in bekannte Gegend kommen wolle.

Wenn sie nur erst den Deich hätte! Dann würde sie sich ja wohl zurechtfinden. Aber vom Deich war nichts zu sehen. Er mußte nach Westen zu liegen. Oder mehr nach Süden ...?

Dort war ein Mensch. Sie wollte ihn fragen. Hoffentlich könnte sie ihn einholen. Oder kam er ihr entgegen?

Sie lief auf ihn zu. Der Wind wickelte sich in ihr Kleid; er war stärker als heute morgen; sie konnte kaum aufsehen, so stark war er. Er versetzte ihr den Atem; er war auch nicht mehr gleichmäßig, er kam ruckweise ... Hoffentlich würde sie ihn nachher im Rücken haben, dann käme sie wohl schnell nach Hause. Aber gegenan ...!