Nach einer Weile kam Julie zurück. Sie hatte Niels auf dem Arm und setzte sich in den großen Stuhl zwischen Ofen und Fenster.

Als Niels die Lichter sah, begann er laut zu krähen. Als er sie im Spiegel nochmals fand, strampelte er mit Armen und Beinen. Julies Haar glänzte so goldig, die kleinen Finger mußten schnell hinein, mußten zerren und den Kopf zu sich herunterziehen.

»Das muß Jungchen nicht! Dann tust du Mutter weh!« sagte Julie und machte ihr Haar von den kleinen Händen frei.

Sie setzte ihn zurecht und neigte sich zu ihm hinunter.

»Siehst du, sie hätte auch solch einen kleinen Jungen haben müssen wie dich! Sie war so arm! Sie war so allein! Sie hat immer für uns gesorgt, hat alles für uns getan. Aber darüber hat sie sich selbst vergessen. Siehst du, für andere leben kann man nur, wenn das eigene Leben voll ist von Schönheit und Freude. Sonst hat es keinen Wert! Du kannst das jetzt noch nicht verstehen, aber später wirst du es wissen! Peter und ich, wir wollen dafür sorgen, daß in deinem Leben so viel Schönheit, so viel Lachen und so viel Glück sein wird, daß du auch andere Menschen glücklich machen kannst. Du sollst noch viel glücklicher werden als Peter und ich, bis du einmal so weit bist, daß du unsere Hilfe nicht mehr brauchst!«

Mit großen Augen sah das kleine Wesen zu Julie auf. Ganz, als verstünde es alles, was sie ihm sagte.

Sie beugte sich hinunter und küßte ihren Jungen. Draußen kamen Schritte über die Diele, feste, kurze Schritte.

Dann sprang die Tür auf.

Julie erschrak. Ein Zittern lief über die Kerzen. Eine nach der anderen zuckte zusammen.