Volksverband der Bücherfreunde

Wegweiser-Verlag G.m.b.H.

Berlin 1923

I

Da stand der Sarg.

Frau Hellwege war am Dienstag gestorben, und morgen sollte sie das bäuerische Landhaus verlassen, in dem sie seit des Rechtsanwalts Hellwege Tod mit ihren vier Töchtern Sommer und Winter gelebt hatte.

Eine reiche Erziehung, die mit gutem Grunde die Einsamkeit der Heide und die schwerfällige Besonnenheit der Torfbauern aufgesucht hatte, blieb unvollendet. Vor den Kindern stand das Leben mit einer fragenden Geste; die Mutter hatte eine Antwort bekommen, konnte sie ihnen aber nicht mehr sagen.

Da stand nun der Sarg.

Er ruhte auf zwei Holzblöcken, die inmitten der Diele auf der Strohmatte standen. Es war ein hoher, dämmeriger Raum. Im Hintergrunde führten rechts und links Türen nach draußen; sie waren bis zu Kopfeshöhe geschlossen. Durch den Ausschnitt darüber quoll warmes Licht; in breiten Schichten flirrten Sonnenstäubchen. Sie berührten das Kopfende des Sarges. Hinten saß ein grünschwarzes Dunkel, das die Rückwand der Diele trauernd verhüllte. Vorn standen Schranke und alte Truhen an den bläulichweiß gekalkten Wänden, die in dem Trauerschmuck geringelter Eichenlaubgirlanden befremdet und ernst nach der Mitte blickten.