Zu Füßen des Sarges lagen bäuerische Kränze in robusten Farben, noch warm von der Mittagsonne, die stundenlang auf sie herniedergebrannt hatte. Die vordere Tür stand weit offen, und draußen auf Kieswegen und Rasenflecken war gelbes Licht. Ein surrendes Geräusch kam von der geschwärzten Decke herab, wo Fliegen und Mücken durcheinanderschwirrten, und ab und zu ein leise kratzendes Klirren der Eichenblätter an den Wänden.

Sehr einsam stand der Sarg. Eine breite Stille hatte sich um ihn gelagert und wachte bei ihm. Durch die Tür guckte mit scheuem Glucksen ein Huhn, aber es traute sich nicht herein und lief mit federndem Schritt wieder auf den Rasen.

Das Licht ging weiter und stand als ein graugoldener Streifen hinter dem Sarge. Langsam sank der Sarg in Schatten.

Plötzlich kam eine Bewegung in das Licht. Es irrte umher und sammelte sich dann in einer Fülle von blaßblondem Haar, das über schmale Schultern herabflutete.

Evelyn trat schüchtern an den Sarg. Sie legte einen großen Strauß Wiesen-Vergißmeinnicht auf den schwarzen Deckel. Wie waren die Knöchel über den kindlichen nackten Füßen fein und intelligent! — Sie schob einen Kranz zurecht.

»Da ist nun mein süßes Muttel drin!«

Die Oberlippe zog sich in die Höhe, und die graublauen Augen sahen in Fernen. Da glitten ihre Kinderjahre rauschend vorüber, und in Nebeln stand die Zukunft hinter ihnen.

Sie machte eine Bewegung mit der Hand und ging nach der Tür, die vorn zum Wohnzimmer führte. Die wurde von innen geöffnet. Marianne erschien auf der Schwelle.

»Hast du ihr Blumen gebracht?« fragte sie die Kleine.

»Vergißmeinnicht!«