Marianne trat auf die Diele. Ihr junger Körper spottete des einfachen Konfirmationskleides, das für seine weichen Formen zu eng war. Der Stoff konnte die vollen Arme, die Linie der Hüften nicht verhüllen. Aus den Ärmeln, die viel zu kurz waren, hingen die weißen Hände weit heraus. »Es ist schön hier!« sagte sie langsam und blieb vor den Kränzen stehen.
Evelyn hatte den Kopf auf die Seite geneigt.
»Möchtest du da drin liegen?« fragte sie. »Ich denke es mir schön,« fuhr sie nach einer Weile fort. »Ganz lang sich ausstrecken, den Kopf nach hinten gelehnt, und mein Haar so über die linke Schulter herüber.«
Sie faßte ihren blonden Reichtum mit beiden Händen und strich mit den Fingern weich darüber hin. Marianne blickte sie scheu an.
»Und dann in die Erde?«
»Und dann liegen meine Hände auf dem Haar, hoch oben über der Brust, weißt du, und zwischen den Fingern halte ich Vergißmeinnicht,« sie überlegte einen Augenblick, »oder Margueriten —, was sieht zu meinem Haar besser aus, Marianne?«
Marianne schüttelte den Kopf.
»Und meine Augen mache ich leise zu, aber ich fühle die Sonne.«
»Du bist doch tot!« unterbrach Marianne schwerfällig. »Nachher kommen Männer und legen einen schweren Deckel über dich und nageln ihn zu. Und dann trägt man dich weg in das tiefe Loch ...«
»Daran denke ich nicht,« beharrte Evelyn. »Das ganze Dorf kommt dann zusammen und steht hier vor mir. ›Wie schön sie ist!‹ sagen sie alle. Und der Pastor steht zu meinen Füßen und spricht von der Blume, die nun gebrochen ist, und Tante Laura macht ihr heiliges Gesicht, dicke Tränen rollen über ihre Backen. Und ich blinzle ein bißchen, da kann ich von allen grade die gelben Flachshaare sehen, und vom Pastor den breiten schwarzen Rücken. Dann lache ich für mich.«