»Pfui, Evy!« sagte Marianne und kniete nieder, um die Kränze zu ordnen. »An was du alles denkst! Bist du denn nicht traurig?«
»Ich habe Muttel lieber, als ihr alle. Aber davon kann ich doch nicht sprechen!« sagte Evelyn leise. Marianne schüttelte den Kopf. Plötzlich legte sie sich lang vor den Kränzen hin. Das Kleid strammte über ihre Brust, und ihr Rock schob sich in die Höhe, daß man die runden Beine sah.
»Siehst du! Nun legst du dich ja selbst hin!« lachte Evelyn auf.
»Das ist etwas anderes!« sagte Marianne.
Evelyn glitt zu ihr. Nun lagen sie nebeneinander, die Köpfe halb unter den Blumen versteckt. Evelyn sah einer weißen Lilie in den Kelch.
»Hast du Angst vor dem Tode?« fragte sie nachdenklich.
Marianne sah mit halbgeöffneten Augen zur Decke hinauf.
»Ich weiß nicht. In den Himmel kommen, und Mama wiedersehen, und auch Papa, das ist ja sehr schön. Aber, was tut man dort den ganzen Tag?«
»Da ist eine endlos weite Wiese,« sagte Evelyn langsam und schwelgend, »und darüber blauer Himmel und Sonnenschein, Blumen sind da, viele Blumen, und ich liege im Grase, lasse alle meine Glieder los, daß sie mir garnicht mehr gehören und dann erzähle ich mir Märchen ...«
»Woher weißt du denn das alles?« fragte Marianne ungeduldig und streckte die Beine wieder aus. Das Laub der Kränze raschelte bei der Bewegung.