Tante Laura knöpfte an ihrer Pelerine. »Was macht ihr denn mit Mamas alten Sachen?« erkundigte sie sich bei Agnes Elisabeth.

»Das haben wir uns noch nicht überlegt!« gab diese gereizt zurück.

»Ich glaube, es ist nun Zeit,« meinte der Vormund, sah nach der Uhr und stand auf. »Ich komme nächstens einmal heraus. Wahrscheinlich schicke ich dir vorher noch einige Papiere, die du unterschreiben mußt. Mein Bruder bringt sie dir vielleicht; er wollte sowieso mal einen Ausflug ins Moor machen.«

»Es ist schrecklich, daß wir dir so viele Mühe machen, Onkel Wilhelm,« sagte Agnes Elisabeth.

»Na, na, ich tu’ es ja gern!« brummte er gutmütig. »Denn, ade, ihr Moorkatzen!« Er gab den Schwestern die Hand.

Tante Laura konnte es sich nicht versagen, der erschrockenen Evelyn einen lauten Kuß zu geben. Julie bog ihr noch geschickt aus.

Die Schwestern blieben im Zimmer. Agnes Elisabeth begleitete die Verwandten durch den Vorgarten.

Die beschnittenen Linden breiteten sich schwer und duftend vor der Giebelseite des Hauses. Unter ihnen, gegen die weißgetünchte Hauswand gelehnt, standen links und rechts zwei grüne Bänke, neben ihnen in weißen Kübeln schlanke Lorbeerbäumchen. Der schmale buchsbaumgefaßte Kiesweg führte abschüssig nach dem weißen Holzgitter, mitten durch grünen Rasen, vorbei an tiefroten und rosaweißen Malvenstöcken.

»Wie hübsch sauber ihr alles habt!« meinte Tante Sophie im Vorübergehen.

»Habt noch vielen Dank!« sagte Agnes Elisabeth und klinkte die Pforte hinter ihnen wieder ein. Durch den mehligen Staub der Chaussee, an den großen Bauernhöfen vorüber, gingen nun die drei. Breitgewachsene Kastanien waren zu beiden Seiten postiert. Ihre eiförmigen grünen Schatten lagen in regelmäßigen Abständen auf dem farblosen Grund; mit den sonnenbeschienenen Zwischenräumen bildeten sie eine Kette von Langeweile.