Sie klappte das Buch zu und rasselte den Schluß herunter:
»Jesus nimmt die Sünder an!«
Julie wandte den Kopf vom Schreibtisch herüber, sah die kleine Schwester erstaunt an und lachte.
»Was machst du eigentlich?«
»Ich lerne!« sagte Evelyn verdrießlich. »Es ist schrecklich! Die Gnadenpforte tut sich immer zu früh auf!«
»Dann mach’ sie doch zu! Und das Buch würde ich auch zumachen!«
»Ich muß es aber morgen können,« gab Evelyn weinerlich zurück.
»Weißt du, ich habe Gesangbuchverse nie gelernt!« erklärte Julie. »Ich glaube nicht, daß es dem lieben Gott eine große Freude ist, wenn man sie am Schnürchen herleiern kann.«
»Aber der Pastor hat es uns doch aufgegeben!«
»Also gut!« meinte Julie gleichgültig und wendete sich wieder zu ihrer Arbeit. Der dünne Arm stützte sich auf das helle Kirschbaumholz. Eine blaue Glockenblume — es standen da so viele beieinander in der irdenen Vase — reckte neugierig ihren dünnen Leib nach der bräunlichweißen Haut, die goldig porös schimmerte. Die goldenen Lettern der Bücher, die gravitätisch nebeneinander standen, blicken auf Julies stumpfbraunes Haar; das hing in seidigen Flocken auf die enggedruckten Seiten herab. Julie las in Brownings Gedichten.