»Besuk ...!« stotterte sie und sah hilfesuchend über die Diele zurück.
Craner wurde durch die dämmerige Diele gewiesen, wo schon der Mittagstisch gedeckt stand. Das Mädchen öffnete ihm die Wohnstube und knallte die Tür hinter ihm zu.
Nun stand er allein in dem kühlen, fein nach Lavendel riechenden Zimmer. Er sah sich um. Da war nichts Außergewöhnliches. Die Möbel standen umher wie überall, die Blumen blühten auf den Fensterbänken, an den Wänden hingen Bilder. Da war weder übertriebene Ordnung, noch aufdringliches Wesen. Und doch berührte ihn alles wohltuend. War hier nicht mit einer gewissen kühlen Präzision der Charakter fein empfindender Menschen ausgesprochen?! Eine feine Novelle hätte in diesem Raum spielen können. Er suchte nach Dingen, die ihm diesen Eindruck übermitteln mochten, er betrachtete die verschiedenen Gegenstände, da öffnete sich die Tür, und Agnes Elisabeth trat ein. Ein weiß und blaßlila gestreiftes Kleid trug sie, mit vielen Rosenrüschen und Falten; es mochte noch aus der Zeit ihrer Großmutter sein.
Craner trat auf sie zu.
»Ich glaube, Sie kennen mich nicht mehr, Fräulein Hellwege. Mein Bruder schickt mich; ich soll Ihnen einige Vormundschaftspapiere überbringen.«
»O doch! Ich erinnere mich,« sagte Agnes Elisabeth ruhig. »Sie waren bei Papas Begräbnis, nicht wahr? Es tut mir leid, daß Sie unsertwegen den weiten Weg haben machen müssen. Wollen Sie mit in den Garten kommen?«
Craner ging neben Agnes Elisabeth über die Diele. Er bemühte sich, durch das rote Gewirr ihrer Haare die Augen zu erkennen. Diese Augen interessierten ihn. Er hatte ihre Farbe im Zimmer nicht finden können. Sie fühlte seinen Blick, und das machte sie befangen. Noch niemand hatte Agnes Elisabeth befangen gemacht.
Sie kamen in den Garten. Da war ein schimmerndes Schweigen. Sie gingen über die seidenglatten Nadeln der Tannenallee. Auf dem Rasen saß Evelyn unter einem Hängerosenbusch. Neben ihr schillerte Pfauengefieder in der Sonne. Wie eine Märchenprinzessin sah sie aus. »Du bist so faul, wie du lang bist!« rief sie nach der Laube drüben. »So faul! Steh doch selbst auf! Ich sag’ ja: so faul, wie du lang bist!« Sie strich über den Pfauenhals. »Nicht? wir bleiben hier sitzen!« Und dann zerpflückte sie die Rosen in ihrem Schoße.
Aus der Laube kam ein träges Summen, das irgendein sentimentales Lied bedeuten konnte.
»Dort ist Tante Sophies Patenkind,« sagte Agnes Elisabeth zu Craner. »Evelyn!« rief sie hinüber.