Ein Rieseln stieg in ihrem Nacken auf und glitt kalt über den Rücken hinunter.

Was sie aber brauchte ...?!

Sie glitt von der Fensterbank hinab und stand in der Mitte des Zimmers. Sie streckte sich plötzlich lang auf die harten Holzdielen aus. Die Arme preßten sich gerade an ihren Körper, als müßten sie ihn festhalten.

Ja, was sie brauchte! Liebe brauchte sie, und immer und immer wieder Liebe. Sie wollte Liebe geben, aber sie wollte sie auch nehmen!

Die Blitze zuckten über ihren weißen Körper, die Bäume sahen erschrocken herein. Da lag sie und krümmte sich unter den Schmerzen ihrer Sehnsucht.

Eine schwere Wärme dämmerte vor ihrem Gesicht. Vor ihren Augen tanzten Funken.

Drüben im Alkoven standen zwei brennende Kerzen. Mit heiliger Ruhe leuchteten ihre Flammen. Sie ließen die knisternde Masse des Haars kupfergolden glühen, rostbraun erlöschen. Und ein feiner Rauch stieg gerade in die Höhe, wie eine Bitte, daß dieses Opfer Gnade finden möge.

So lag Agnes Elisabeth lange. Als warte sie in dieser Stille auf Erlösung.

Aus braungoldiger Tiefe tauchte ein grünbeschirmtes Nachtlicht auf, dessen Leuchten rötlich durch eine weiße Hand schimmerte. Eine blasse Helle tastete durch das Zimmer.

Julie blieb vor dem Körper der Schwester stehen und betrachtete ihn.