Das war Jens Peter Jakobsens »Frau Marie Grubbe«.
Da las sie nun von allen den seltsamen Dingen, die es in der Welt gibt. Mit kühlem Grausen las sie davon.
Und zum ersten Male streckte sie ihre Hände nach des Lebens Wirklichkeiten aus.
Und was das Heimliche betrifft, so hatte Julie ihr das Buch nicht geben wollen, aber sie hatte es sich genommen.
VIII
Mitten in die Farben des Herbstes hinein, die sich zu Tode glühten, kam ein Brief von Heinrich Craner, der Agnes Elisabeths Adresse trug.
Sie saß im Garten, als er ihr gebracht wurde, nähte an einem Kleide für Evelyn und dachte darüber nach, daß Marianne in letzter Zeit so angegriffen aussah.
Die Naht wurde zu Ende gebracht und der Brief dann langsam geöffnet. Craner schrieb:
»Wenn ich mir überlege, daß Sie mich innerhalb der letzten sieben Jahre nur ein paar kurze Stunden gesehen haben, daß diese Stunden ausgefüllt waren von geschäftlichen Besprechungen, die für gegenseitiges persönliches Verstehen wenig Raum gaben, so kommen mir Bedenken, ob ich diesen Brief schreiben darf.
Mache ich mir aber klar, daß Sie dem Leben stets mit offnen Augen gegenübergestanden haben, daß Ihr Blick nicht getrübt worden ist durch konventionelle Brillengläser und scharf geblieben durch die klare Atmosphäre Ihres stillen selbstbewußten Lebens, daß Ihre gerade Natur nur Ursprüngliches und Unmittelbares verlangen kann, so weiß ich, daß ich diesen Brief schreiben muß. Also schreibe ich ihn.