Was nun kommt, möchte von einer Empfindung sprechen. Ich zweifle, ob es mir gelingen wird, ihr Ausdruck zu geben. Ich bin nicht gewöhnt, von meinen Gefühlen zu reden, und es fällt mir in der gegenwärtigen Lage doppelt schwer, da es mir bisher nicht gelungen ist, festzustellen, ob Ihr Inneres auf dieselbe Tonart gestimmt ist wie das meine.

Aber auch eine in dürftige Hülle gekleidete Empfindung werden Sie erkennen, wenn sie nur überhaupt einen Wert für Sie hat.

Ich liebe Sie.

Darf ich Ihnen erklären, wie es dazu kam?

Ich habe in meinem Leben vielleicht mehr über mich nachgedacht, als die meisten zu tun pflegen. Ich habe schon von Kind auf die Gewohnheit gehabt, mich nicht mit allgemeinen Glückswerten zufrieden zu geben, sondern mir auf eigne Faust mein bißchen Glück zu erkämpfen.

Es ist mir gelungen. Nach mannigfachen Zickzackwegen natürlich, die aber, wenn ich sie von mühsam erreichter Höhe nun rückschauend betrachte, doch eine gerade Linie bilden.

Die Lebenserfahrung, die ich nach innerem Streit im Studierzimmer, nach äußeren Kämpfen an Krankenbetten, in Hospitälern und auf sonnenbrennenden Schlachtfeldern Südafrikas gewinnen durfte, ist die: Glück heißt: Persönlichkeit sein und aus der Fülle eigner Kraft andere glücklich machen. Ich darf sagen, daß ich mir dies Glück zu eigen gemacht habe.

Aber nun will es mir nicht mehr genügen.

Seit einigen Monaten bin ich mir darüber klar geworden, daß eine Sehnsucht in mir lebt, die schon jahrelang unbewußt geschlummert hat. Es hat lange gedauert, bis ich wußte, was das Ziel dieser stillen Sehnsucht ist. Jetzt weiß ich es!

Alle Menschen, denen ich bis heute äußerlich nähergestanden habe, waren mir innerlich fremd. Aber ich brauche jemand, der mich etwas angeht, der nach mir greift mit Liebe und mich festhält mit Verstehen.