Harte Hände, die in mein Leben hineinfassen und es rütteln, und doch auch weiche Hände, die es milde streicheln.

Als ich Sie vor vier Monaten verließ, wußte ich, daß Sie für mich bedeuten können, was ich brauche. Das war zunächst eine kühle Überlegung. Mit jedem Tage, den ich bei meiner Arbeit durchlebte, wurde sie mehr und mehr verdrängt durch ein herzliches und inniges Gefühl für Sie.

Ich komme zu Ihnen als ein Bittender, doch nicht um Opfer. Was ich Ihnen geben kann, ist nur ein Leben voll Arbeit unter den erschwerten äußeren Bedingungen eines ungünstigen Klimas. Arbeit, aber vielleicht auch Ruhe, gewisse, fröhliche Ruhe, die nur die Arbeit geben kann. Und Liebe! Keine amour, aber ein treues, ehrliches Empfinden!

Ich bitte Sie nicht um eine schnelle Antwort! Ich werde am 29. Oktober zu Ihnen kommen und mir meine Antwort selbst holen.

Heinrich Craner.«

Eine Weile sah Agnes Elisabeth regungslos vor sich hin. Vorerst verstand sie nichts von diesem Brief; er traf sie plötzlich und unerwartet; sie war erschrocken und unfähig, einen Gedanken zu fassen. Langsam gingen ihre Augen über die vergilbten Rasenflächen und den Wollstoff auf dem Tisch und blieben wieder auf dem Bogen liegen. »Auch weiche Hände, die es milde streicheln ...« Plötzlich wachte in ihrem Nacken ein Feuer auf, verbreitete sich rasch über ihren Rücken, fuhr hinab bis in die Fußspitzen, loderte hinauf zum Scheitel. Sie lehnte sich weit zurück, ließ die Hände herabsinken und warf den Kopf nach hinten. Und dann fuhr die Erkenntnis durch sie hindurch: Da war jemand, der hatte sie lieb!

Das packte sie jäh. Das ergriff sie wie ein Taumel. Sie sprang auf und ging in den Garten. Unten am Wasser saß Evelyn, mitten im Sonnenschein.

»Pass’ auf, ich kriege dich!« rief sie ihr zu.

Die Kleine war schnell auf den Beinen und lief über den Rasen. Nun wurde es ein Tollen und Jagen, mit fliegenden Kleidern und lautem Gejuchze. Evelyn rannte durch die Tannenallee zum Wasser hinunter.

Agnes Elisabeth lief ihr nach, blieb aber plötzlich stehen und sah sich um. Vor ihr stand die Masse einer Rotbuche, auf deren blutenden Blättern mattes Gold schimmerte, dicht über Rasens Höhe karmoisinrote Kugeln von Georginen, und etwas höher, lang und schmal, weinrote Haselnußgerten. Dort drüben die kupferhelle Freudigkeit breiter Ahornzweige, die sich lachend vor dunkle Tannen drängte. Und ganz hinten, ein Spott auf des Herbstes Sterben: in dürrem Gebüsch gleißendes Scharlachrot. Und dies alles jauchzte ihr zu, schrie und jubelte.