Oh, sie hätte ihre Arme ausbreiten mögen nach diesen tausend Flammen brennenden Rots, die eigens für sie entzündet waren. Und die Flut des Sonnenlichts hätte sie trinken wollen, durstig, und zitternd unter der Bürde ihres Glücks.
Eine Bürde war es ...! Wie sie weiterging, waren ihre Schritte schwer, als müßten sie sich beugen, — wie heißes Gold rann das Blut durch ihre Adern. Und irgendwo da drinnen war eine Last, die alle Glieder müde machte.
Aber sie dachte nichts anderes, als daß sie diese Last tragen dürfte, jetzt noch wie in einem Traum, und nun mit Gewißheit.
Mit Gewißheit ...!
Trotzdem freilich wußte sie noch nicht, was sie mit Craners Brief anfangen sollte.
IX
Eines Morgens erwachte der Pastor mit dem Gedanken, daß es wohl Christenpflicht sei, sich wieder einmal um die verwaisten Schwestern zu kümmern. Da es noch vor sieben war, legte er sich auf die andere Seite, zog das Federbett höher und überlegte sich die Sache: Die langen Abende begannen; man konnte nicht immer Bücher lesen, vielleicht wäre es ganz nett, einen Verkehr anzufangen.
Aus dem Bett neben ihm kam ein Seufzen. Hinter dem Berg von Kissen tauchte die Nachtmütze der Pastorin auf.
»Gottfried! Es ist sieben!«
Das Rasseln des Weckers, der auf der Marmorplatte des Waschtisches stand, fuhr frech in die morgendliche Stille.