Dann kamen jene Augenblicke, die allein in Agnes Elisabeths Erinnerung an diesen Tag zurückblieben. Er nahm sie in seine Arme und küßte sie. Er küßte sie mit der Empfindung eines einfachen, gesunden Mannes.

Aber für sie war es mehr. Während er ihr nur einen Teil seines Ichs geben konnte, schenkte sie ihm alles. Jede Farbe ihres Empfindens, jede Linie ihres Körpers war Hingabe.

Nicht aus Liebe! Die Liebe allein hätte bei ihr solches nicht zuwege bringen können. Sondern weil Agnes Elisabeth stark war, und weil in dieser Stärke ihre Schwäche lag. Eine gefährliche Schwäche! Denn eine, die allein und nur mit eigener Kraft gehen will, die muß damit rechnen können, daß mitten auf der Straße des Lebens ein Durst nach Liebe sie übermannt und eine Sehnsucht, ihre Arme um einen Hals zu schlingen, und daß dann keiner da ist, dem sie es tun, keiner, der ihren Durst stillen könnte. Diese Rechnung stimmte bei Agnes Elisabeth nicht. Weder ihre Mutter, noch ihre Schwestern waren dagewesen, wenn sie nach ihnen gerufen hatte; sie war so oft am Wege liegen geblieben, sie hatte sich freilich wieder aufgerafft und war mit trotzigen Lippen weitergelaufen. Wenn Schwestern und Mutter dann kamen und nach ihr suchten, dann war sie schon weit weg, an blühenden Gartenzäunen des Lebens, und bedurfte ihrer nicht mehr. So waren sie aneinander vorbeigegangen.

Aber hier war einer da, als sie ihn brauchte.

Wie sie ihn küßte! Sie streckte ihre Arme aus und klammerte sich an ihn ...

Als sie sich endlich aufrichtete und hastig seinen Arm nahm, war es dunkel geworden. Wo die Sonne gestanden hatte, war nur qualmender Dunst; aus dem Moor stiegen Schatten auf. Der Rest von Licht, der auf Bäumen und Sträuchern gesessen hatte, war zusammengesunken. Die Nacht kam eilig von allen Seiten.

Craner war es, der zuerst wieder Worte fand.

»Morgen will ich mit meinem Bruder sprechen. Er weiß noch nichts. Er wird sich wundern.« Und er lachte.

Dieses Lachen war der Anfang von dem, was nun alles in kurzen Worten schnell und schreckhaft zu Ende gehen ließ.

Sie faßte ängstlich nach seiner Hand. Er streichelte sie und sprach weiter, ohne ihrer Angst zu achten: