Marianne schob den Stuhl zurück und lachte.

»Heimlichkeiten! Hast du übrigens keine, Agnes Elisabeth?« Sie kam sich mit einem Male wie verheiratet vor. Nun war auch die Neugierde da. »Ich kann dich ja verstehen! Da ich selbst so etwas durchlebe!«

Die täppische Vertraulichkeit traf. Agnes Elisabeths Züge wurden hart.

»Nein!« sagte sie schroff.

»Also nicht!« meinte Marianne pikiert und stand auf. Man hätte so gut ein bißchen darüber reden können; aber wenn Agnes Elisabeth nicht wollte! »Hast du Gesche mein Kleid zum Plätten gegeben?« fragte sie kühl.

»Ja!«

Marianne schlenderte aus dem Zimmer.

Agnes Elisabeth wandte den Kopf. Erbitterung schwoll in ihr auf, wie über eine Demütigung. Dieses junge Ding wollte über Liebe reden ...?! Agnes Elisabeth biß die Zähne zusammen. Vielleicht schmerzte sie weniger der törichte Vergleich, als daß sie selbst durch ihn so klein wurde und übelnehmerisch mit Marianne zankte.

Sie stand auf. Das Zimmer blickte sie gleichgültig an, die Lampe dämmerte.

Sie fühlte etwas Graues, Unendliches, das vor ihr aufzog und über sie hin griff. Ihre Augen schlossen sich, schraken aber gleich wieder auf. Sie mußte wohl nach den anderen sehen. Sie ging in Julies Zimmer.