»Und wie verhält sie sich dazu?«

»Sie will ihn heiraten.«

»Natürlich!«

Der Vormund trat erregt ans Fenster. Die Sache war ihm sehr unangenehm. Es gab schon jetzt genug Menschen, die sich nach dem Ergehen der armen Waisen erkundigten, mit einem kleinen Lächeln, das ihn ärgerte.

»Soll man sie in eine Pension schicken?« fragte er ungeduldig.

»Ich glaube, Mama würde gegen eine solche Heirat nichts eingewendet haben,« sagte Agnes Elisabeth.

»Davon kann natürlich nicht die Rede sein; das mußt du doch auch sagen! Ich weiß, wie sehr du deine Schwestern liebst; du kannst unmöglich wollen, daß Marianne den ersten besten nimmt.« Agnes Elisabeth fand es wunderlich, daß Onkel Wilhelm von ihrer Liebe zu den Schwestern sprach. Es war ihr, als ob sie ein Lob erhielt, das sie nicht verdiene. Und dann wieder tat es weh wie eine Geringschätzung, wie ein Brocken, der ihr zugeworfen würde.

»Ich kann nur das wollen, wovon ich glaube, daß es auch nach Mamas Willen wäre.«

»Dann ist mit dir nicht zu verhandeln,« entgegnete Craner heftig. »Deine Mutter hat dir die Kinder anvertraut; das ist richtig. Aber deine Pflicht kann nicht darin bestehen, daß du sie in ihren verschrobenen Ansichten noch bestärkst! Dadurch schadest du ihnen mehr, als du ihnen nützt.«

Es stieg etwas in Agnes Elisabeth auf, was heiß war und vor ihren Augen flimmerte; etwas Gewalttätiges, was ihre Hand schon aufhob, ihn zu schlagen. Sie kannte diese schreckenvollen Augenblicke. Ihre Hände preßten sich zusammen. Aber plötzlich breitete es sich, wurde flacher und war verschwunden. Nur eine Mattigkeit blieb zurück, ein Dämmern: Dies alles war ja so gleichgültig!