Wilhelm Craner mochte empfinden, daß er ihr weh getan hatte. Und dann war ihm auch plötzlich eine Bemerkung eingefallen, die sein Bruder über die vier Schwestern hatte fallen lassen. »Schade, daß sie gar nicht verstehen, wie sich die Älteste für sie opfert,« hatte dieser gesagt. Eine Ahnung stieg in ihm auf.
Er legte seine Hand auf ihre Schulter. »Wir werden die Sache schon ins Gleis bringen. Man möchte euch doch glücklich sehen! Auch dich!«
Agnes Elisabeth nickte verständnislos.
»Ich werde nun mit Marianne sprechen. Du bleibst wohl hier?«
Und er rief Marianne, die mit nicht geringer Erregung das Zimmer betrat.
Was die beiden nun verhandelten, davon verstand Agnes Elisabeth fast nichts. Sie hörte nur die trockene Stimme des Vormunds und Mariannes verschwollene Antworten. Sie sah von ihm, der jetzt am Schreibtisch saß, nur einen Streifen der hohen Stirn und die Hand, die in der Luft hin und her ging, und von Marianne erkannte sie nur das Weiß des Taschentuchs, das sich ab und zu von dem marineblauen Kleide zu dem rosigen Gesicht hinauf begab.
Agnes Elisabeth fühlte sich wie verstoßen. Sie war hier, aber ebensogut hätte sie mitten im Moor sein können, wo man in dem Boden einsank und seine Arme vergebens nach Hilfe ausstreckte.
Nach einer Weile kam ihr der Gedanke, wie es wohl geworden wäre, wenn sie Heinrich — für sich nannte sie ihn doch nicht anders — ihr Jawort gegeben hätte. Und dann betrachtete sie das Gesicht des Onkels, der sich jetzt umgewendet hatte und lebhaft sprach. Sie ging aufmerksam darüber hin und vergaß nicht eine Falte. Es war viel Familienähnlichkeit vorhanden. Um den Mund Selbstvertrauen, aber auch Selbstsucht. Die Augen klug, aber ohne Tiefe. Die Stirn voller Runzeln.
Sie sah weg. Eine schmerzhafte Empfindung war plötzlich in ihr. Sie fühlte, daß eine Verbindung zwischen ihr und Heinrich Craner bestand, und daß sie von dieser nicht loskam.
Die Unterhaltung schien beendet zu sein. Onkel Wilhelm klopfte Marianne gutmütig auf die Schulter.