Diese Gleichnisse können allerdings noch weiter ausgedehnt werden, was uns aber in nebelhafte Fernen führen und — verführen würde.
Die eigentümliche Art der drei sinnbildlichen, einen rechten Winkel bildenden Schritte, die früher nach vollendeten Reisen zum Oriente hin getan werden mußten (ein Überrest aus den alten Handwerksbräuchen), und mehrere andere antiken Kulten nachgeahmte Proben, die jetzt als verwirrend, beängstigend und ermüdend meist aufgegeben sind, versagen wir uns zu erwähnen.
b) Die Erteilung des Lichtes.
Die Prüfungen sind überstanden; der Suchende wird zum Orient geführt und vor den Altar gestellt. Es wird ihm vom Meister mitgeteilt, daß er nach vollendeter Aufnahme nicht mehr zurücktreten könne. Beharrt er auf seiner Absicht, so wird fortgefahren; in dem gewiß höchst seltenen Falle des Verzichtes aber wird er entlassen, wodurch er aber in einen inneren Konflikt kommen kann, etwas erlebt zu haben, was für ihn keine weitere Bedeutung hat und ihn in der Achtung der Brüder herabsetzt. Im ersteren, wahrscheinlichen Falle hat er zu erklären, daß er das neue Gelübde ablegen wolle. Es hat Fälle gegeben, in denen ein Aufgenommener später sein Gelübde brach und sogar sich einer dem Freimaurer-Bunde feindlichen Richtung anschloß.[4] Dies hat er mit seinem Gewissen abzumachen; für den Bund ist er verdorben und gestorben. —
Es folgt die Ablegung des Gelübdes, das im Bunde der Freimaurerei kein solches der Verzichtleistung auf alle irdischen Güter des Lebens ist wie in den Mönchsorden, sondern ein Gelübde der Tat, der Treue und der Verschwiegenheit, soweit diese notwendig ist, um die Interessen des Bundes zu wahren. Es bezieht sich nicht auf die Geschichte und die Organisation des Bundes, auch nicht auf eigentliche der Welt verborgene Geheimnisse, die es ja gar nicht gibt, sondern nur auf die Erkennungszeichen und auf die dem Br. im Vertrauen gemachten Mitteilungen. Die Gebräuche der Loge sind nur insofern geheim zu halten, als Äußerungen darüber mutwillig und zwecklos oder gar böswillig erscheinen. Zu wissenschaftlichen und sonstigen ernsten Zwecken dürfen und sollen sie besprochen werden; was wie dies zur Kenntnis der menschlichen Kultur gehört, kann und darf kein Geheimnis bleiben. Die Wissenschaft kennt diesen Begriff nicht. Unsere Loge zeigt sogar den Tempel jedem würdigen Besucher des Hauses.
Die Form eines Eides hat das Gelübde nicht mehr überall. Auf einen bestimmten Gegenstand braucht es nicht notwendig abgelegt zu werden; wenn doch, so ist dieser ein Sinnbild der Einordnung in den Kreis der Brüderschaft. Die feierliche Aufnahme schließt diesen Vorgang. Sie geschieht bisweilen durch den Bruderkuß, meist aber durch den Handschlag.
Nun ist es Zeit geworden, dem Suchenden die Binde von den Augen zu nehmen und ihn das Licht der Loge schauen zu lassen.
Zu diesem Zwecke wird der neue Br. in die Bruderkette gestellt, die die Hände sämtlicher anwesenden Brr. vereinigt, wodurch die Zusammengehörigkeit Aller versinnbildlicht wird.
Im rektifiz. schott. System findet eine zweimalige Erteilung des Lichtes statt, erst des schwachen und dann des starken. Bei jenem erhellt nur eine aufflackernde und dann erlöschende, einen magischen Eindruck erweckende Flamme, bei diesem aber das volle Licht für den Aufgenommenen den Bruderkreis und die Loge. Meist wird das letztere allein erteilt, und nun erst sieht der neue Br., wo er ist, sieht sich verbunden mit den übrigen Brrn., deren Gesang mit Musikbegleitung ihn als Br. begrüßt.
Er vernimmt nun die Namen der drei Säulen der Loge: Weisheit, Stärke und Schönheit, ihrer Lichter, der Zieraten und Werkzeuge, die der Freimaurerei Höheres bedeuten und die Pflicht der Wohltätigkeit. Noch ist er aber in der Lage nicht, sie zu üben, und ihn ziert eine schöne Beschämung. Es wird ihm daher das Abgenommene zurückgegeben, und er kann sein erstes Almosen in den „Sack der Witwe“ entrichten, wie die Armenkasse genannt wird.