Dem Zirkel nahe (weil auch dieser zum Messen dient) steht der Maß- oder Zollstab, auch der 24zöllige genannt und als Werkzeug des Lehrlings (neben dem Spitzhammer) bezeichnet. Seine 24 Zolle (also 2 engl. Fuß) bedeuten die 24 Stunden des Tages und der Nacht, die in 4 Teile zu je 6 Stunden eingeteilt sein sollen, nämlich 6 zur Arbeit, 6 zum Gottesdienst, 6 zum Freundes- oder Bruderdienst und 6 zum Schlafe. Natürlich ist das wörtlich zu nehmen unmöglich und soll nur den hohen Wert dieser 4 Beschäftigungen dartun, den Maurer an gute und nützliche Verwendung und Einteilung seiner Zeit mahnen. Die Einteilung des Tages in 24 Stunden war schon den Ägyptern und nach ihnen den Griechen bekannt und ist später allgemein geworden. Das Duodezimalsystem beherrschte auch das Leben der Assyrer und Babylonier, und die Stundenzahl des Tages hängt mit den 12 Monaten des Jahres, deren 3 auf eine der 4 Jahreszeiten kommen, also auch mit den zwölf Sternbildern des Tierkreises zusammen. Eine Teilung des Tages in 4 Teile zu 6 Stunden hat auch das schwedische System; sie werden Wachen genannt und heißen, von 6 Uhr früh an gerechnet, Mittag, Hochmittag, Mitternacht und Hochmitternacht. Die 6 Stunden jeder Wache entsprechen den 6 Werktagen der Woche.

Ein für sich, ohne Dreiheit, bestehendes Werkzeug der Freimaurerei ist die Kelle. Sie wird als Sinnbild der Freimaurerei und der Arbeit im allgemeinen betrachtet und oft als Logenzeichen verwendet. Da sie zum Streichen des Mörtels dient, bedeutet sie festes Zusammenhalten, harmonische Ausbildung der Kräfte und treue Pflichterfüllung. Sie mahnt, ihrem Zwecke gemäß, zur Fernhaltung schädlicher Einflüsse vom Bunde und von den Brüdern. Nach einer Lehrart soll die Kelle des Lehrlings unpoliert, die des Gesellen aber poliert sein, um den Fortschritt dieses Grades in der Ausgleichung der Gegensätze zu bezeichnen.

Als „unbewegliche“ Kleinodien der Loge, richtiger als Arbeitsgebiete der Freimaurer werden bezeichnet: der rohe Stein, das des Lehrlings, der behauene oder kubische Stein, das des Gesellen, und das Reißbrett, das des Meisters. Die Arbeit an rohen Steinen bedeutet die Selbsterkenntnis, die Selbstbeherrschung und die Selbstveredlung. Ihr Zweck ist die Entfernung aller Rauheiten und Unebenheiten des Verstandes, Herzens und Charakters, die Befreiung von Vorurteilen und Irrtümern, das Emporheben zum Schönen, Guten und Wahren; um ein würdiges Glied der Bruderkette und Menschheit zu werden. Geschieht dies, so wird der rohe Stein zum Quaderstein, der sich zur Einfügung in den Bau, in den Tempel der Humanität eignet. Es geht dies nicht nur den Freimaurerlehrling und Gesellen an, sondern den Menschen überhaupt; er bedarf einer solchen Vervollkommnung und wäre er auch Meister. Auch am behauenen Steine ist noch Arbeit notwendig. Es gilt die ausgearbeiteten Flächen noch zu glätten, d. h. in der Selbstzucht Fortschritte zu machen, zur Kenntnis der Künste und Wissenschaften vorzudringen. Meister sein und auf dem Reißbrette arbeiten kann nur, wer, gleich einem geglätteten Steine, sich als fähig erwiesen hat, ein tüchtiger Bestandteil des Baues zu sein. Auf dem Reißbrett entwerfen die Meister „mit dem Maßstabe der Wahrheit, dem Winkelmaß des Rechts und dem Zirkel der Pflicht“ den Plan, dem der Bau folgen muß, um sicher zu stehen und Wohlgefallen hervorzurufen. Wie der A. B. d. W. den Plan zum Weltgebäude entwarf, so soll der Mensch den Plan zu einem wohltätigen und fruchtbaren Leben entwerfen. —

Übersicht:

Ideale:

Weisheit.

Stärke.

Schönheit.

Grade:

Meister.

Geselle.

Lehrling.

Hauptwerkz.:

Hammer.

Winkelmaß.

Zirkel.

Nebenwerkz.:

Pickel,
Meißel.

Wasserwage,
Senkblei.

Zollstab.

Arbeit = Kelle = Maurerei.

Arbeitsfelder:

Reißbrett.

Quaderstein.

Roher Stein.

Tugenden:

Selbstver-
edlung.

Selbstbe-
herrschung.

Selbster-
kenntnis.

8. Die weiteren Sinnbilder.

Komm, hebe dich zu höhern Sphären!

Wenn er dich ahnet, folgt er nach.

Goethe, Faust II.

Zu höheren Sphären erheben uns jene freimaurerischen Sinnbilder, die nicht bloß Zeichen, Zieraten oder Werkzeuge, wenn auch von noch so sinnvoller und tiefer Bedeutung, sind, sondern Werke, Begriffe und Ideen vertreten, die in der Geschichte und den Idealen der Menschheit begründet sind, die aber tief geahnt und richtig verstanden werden müssen, um den strebenden Menschen zur Nachfolge anzufeuern. Diese Sinnbilder sind nicht der Baukunst, nicht der Freimaurerei selbst entnommen, sondern beruhen teils auf großartigen Tatsachen der Kulturgeschichte, teils auf erhabenen Idealen der Menschheit. Es sind teils längst ihres Zweckes enthobene, wenn auch noch vorhandene, teils noch heute in Kraft und Blüte bestehende, teils endlich hehren Erwartungen künftiger Zeiten entsprechende Erscheinungen oder Gedanken.

a) Sinnbilder der Vergangenheit.