| Übersicht. | ||
| Leitende Idee: | Art der Versammlung: | Kennzeichen: |
| Schönheit. | Tafelloge. | Edle Heiterkeit. |
| Weisheit. | Arbeitsloge. | Feierliche |
| Stärke. | Trauerloge. | Gedanke an |
b) Die lehrhafte Arbeit.
Die Logenversammlungen haben neben dem (ganz oder teilweise) künstlerischen auch vielfach einen lehrhaften Charakter. Allerdings überlassen sie wissenschaftliche Untersuchungen und Forschungen mit Fug und Recht den gelehrten Gesellschaften und den Hochschulen; doch werden vielfach im hellen Logenraum allgemein verständliche Vorträge über verschiedene Gegenstände der Wissenschaft und Angelegenheiten des Lebens gehalten. Man hat daher entweder die Logen überhaupt oder die Versammlungen gewisser höherer Grade verschiedener europäischer Länder im 18. und 19. Jahrhundert oft Akademien genannt, ja neuerlich sogar den Ursprung der Freimaurerei aus den italienischen Akademien des Zeitalters der Renaissance hergeleitet. Dazu hat besonders der Umstand beigetragen, daß in den nach jenem Vorbilde im 17. Jahrhundert in Deutschland und England entstandenen „Kollegien“ und „Sozietäten“ der Pädagog und Philanthrop Joh. Amos Komensky aus Mähren, genannt Comenius (geb. 1592, gest. 1670) eine Rolle spielte, den man seiner ganzen geistigen Richtung nach einen Vorläufer der Freimaurerei nennen darf. Ihm zu Ehren wurde 1891 durch die Bemühungen Br. Ludwig Kellers und anderer gelehrter Brr. und Nichtbrüder in Berlin die Comenius-Gesellschaft gegründet, die sich auch mit Untersuchungen über die Entstehung der Freimaurerei beschäftigt.
Die Freimaurerei hat eine so umfangreiche und zum Teile sehr wertvolle Literatur hervorgebracht, wie sie keine andere Gesellschaft aufzuweisen hat. Daher ist auch ihre Lehre eine sehr ausgedehnte und mannigfaltige, von der dieses kleine Buch einen schwachen Abriß zu geben versucht. Auch diese Lehre hat Schauberg aus Ägypten abgeleitet, von woher sie Pythagoras nach Europa gebracht haben soll. Ohne Zweifel bestehen zwischen dem von diesem großen Philosophen gestifteten Geheimbunde und der Freimaurerei gewisse Ähnlichkeiten, aber auch wesentliche Verschiedenheiten (siehe des Verf. „Buch der Mysterien“). Jener Bund ist auch so früh untergegangen, daß an eine zusammenhängende Überlieferung bis auf neuere Zeiten nicht zu denken ist. Entlehnungen aus früheren Erscheinungen begründen keinen Zusammenhang. Die Freimaurerei erhebt keinen Anspruch darauf, den Stein der Weisen gefunden zu haben oder finden zu wollen; wohl aber hält sie ihre Brüder dazu an, daß jeder in dem Bau, den sie erstrebt, in dem Tempel der Weisheit, Stärke und Schönheit ein brauchbarer Stein zu werden trachte. Die Lehre, die sie erteilt, ist daher in ihrem Hauptteile die der geistigen Baukunst, und wenn diese und die Freimaurerei selbst eine königliche Kunst genannt wird (seit Andersons Konstitutionenbuch von 1723), so geschieht dies, weil das Ziel, das sie anstrebt, die höchste Vervollkommnung des Menschen ist. Dieses Ziel wurde freilich auch von den größten Weisen aller Zeiten und Völker in geringerm oder größerm Maße angestrebt, aber von keiner menschlichen Gesellschaft in dem Maße wie von der Freimaurerei. Hat es auch der Stifter des Christentums sich vorgesetzt, so hat es die Kirche, die sich seine Nachfolgerin nennt, dadurch verdunkelt und hintangehalten, daß sie sein unentbehrlichstes Mittel, die geistige Freiheit nach Kräften durch vorgeschriebene Glaubenssatzungen unterdrückte.
Sind in der Freimaurerei, wenn auch in bescheidenem Maße, die vornehmsten Wissenschaften vertreten, die Philosophie in ihrer Morallehre und Symbolik, die Geschichte in ihrer rührigen Pflege der Geschichte des Bundes und der mit ihm zusammenhängenden Erscheinungen, die Naturwissenschaft in der Ergründung des menschlichen Herzens und seiner Bedürfnisse, so ist gewissermaßen die Mathematik in der von der Loge in ihren Sinnbildern enthaltenen Zahlenlehre vertreten.
Schöpfer der Zahlenlehre ist Pythagoras, nach dessen Lehre „Zahl und Harmonie das Wesen, die bestimmende Macht und das Gesetz der Welt sind, das sittliche und vernünftige Leben des Menschengeistes bestimmen und zusammen die Tugend begründen“, — worin ihm der deutsche Philosoph Br. Krause nachfolgte.
Die Zahl Eins lehrt die Einheit aller Dinge, die Zahl Zwei ihre zwei Seiten, die tätige und die leidende. Zusammen bilden sie die Drei, die wir bereits (sowie die Neun) betrachtet haben. Die Zahl Vier tritt auf in den Himmelsgegenden, den 4 Elementen, den 4 Jahreszeiten und Änderungen der Tageslänge, den (mit der Nacht) 4 Tageszeiten, den 4 Seiten der Tempel, Gräber und Altäre, den 4 Evangelisten, der Verwandtschaft des Vierecks mit dem Kreise, aus dessen rechtwinkliger Durchschneidung es entsteht, den 4 Temperamenten u. s. w. Fünf ist die Zahl der menschlichen Sinne, der Temperaturstufen (heiß, warm, lau, kühl und kalt), der Finger und Zehen, der Säulenordnungen und Baustile[2], der Vokale u. s. w. Sechs ist die Verdoppelung der heiligen Drei und die Hälfte der heiligen Zwölf. Sieben ist die Zahl der sog. freien Künste und Wissenschaften, die in sehr verschiedener Art aufgezählt werden, z. B. Grammatik, Logik, Rhetorik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik oder: Dichtkunst, Musik, Zeichenkunst, Rechenkunst, Geometrie, Astronomie und Baukunst, die Zahl der Sakramente und — der Todsünden, — der Farben des Regenbogens, der Töne einer Tonleiter, der ehemals dafür gehaltenen Planeten (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn), wie geglaubt wird: der Tage, Monate oder Jahre, in denen ein lebendes Wesen reift, der Wunder des Altertums, der sog. Weisen Griechenlands u. s. w. Zehn ist die Summe von 1, 2, 3 und 4, die der beiderseitigen Finger und Zehen, der maßgebenden Abschnitte im Zahlensystem, der hebräischen, auch bei den Christen geltenden Gebote u. s. w., Zwölf, das Produkt von 3 und 4, die Zahl der Tages- und Nachtstunden, der Mondumläufe im Jahre, der Monate, der Zeichen des Tierkreises, der griechischen und römischen Hauptgötter, der germanischen Asen, der Patriarchen, Propheten und Apostel, der Stämme des Volkes Israel und noch vieler anderer Dinge. Allerdings sind viele dieser Zahlenwerte durch die Wissenschaft beseitigt oder sonst bedeutungslos geworden; aber es handelt sich hier nur um die Kenntnis der Bedeutung, welche die Zahlen stets in der Geschichte des Menschengeistes gehabt haben und um die Mahnung an die Brüder, in allen Lagen des Lebens diejenige Zahl zu beobachten, die von der Stimme des Gewissens als die richtige und wohltätige bezeichnet wird.
Noch mehr als die Arithmetik ist die Geometrie eine mit der Baukunst und daher auch mit der Maurerei in Verbindung stehende Wissenschaft, ja sie wurde von den älteren freimaurerischen Schriftstellern geradezu als die Grundlage und das innerste Wesen der königlichen Kunst bezeichnet und die edelste aller Wissenschaften genannt, weil es ihre Aufgabe ist, die Größenverhältnisse des Weltalls zu messen. Da jedoch die Loge keine Schule oder Gesellschaft zur Pflege der Mathematik an sich ist, so kann die Geometrie für die Freimaurerei nur eine moralische Bedeutung haben, d. h. sie ist ein Ausdruck für das Erfordernis, in allen Dingen das rechte Maß zu halten, die in der Natur bestehende Ordnung auf das sittliche Verhalten des Menschen anzuwenden und nach den Grundsätzen der Schönheit und Regelmäßigkeit am Tempel der Menschheit zu bauen.
Das rechtwinkliche Viereck der Loge ist ein schwacher Ausdruck dieses Erfordernisses und mahnt die Brüder stets, sich auch im Leben rechtwinklich d. h. gerade zu verhalten.
[2] Dorische, ionische, korinthische, etruskische und römische Säule; byzantischer, maurischer, romanischer, gotischer Stil und Renaissance.