Gorch Fock:
Schalotte.

Gorch Fock (Johann Kinau) — ist am 22. August 1880 auf dem hamburgischen Eiland Finkenwärder geboren, 1916 verschlang ihn die See auf S. M. S. Wiesbaden in der Skagerrak-Schlacht. Welchen Norddeutschen, welchen Hamburger ergreift nicht Stolz und Trauer zugleich, wenn er den Namen des Frühvollendeten hört! Ein zweiter Körner, zu hohen Hoffnungen berechtigend, mitten aus dem Leben und Schaffen gerissen auf dem Felde der Ehre, vom Meere verschlungen, dem er so manches gute Wort und Werk gewidmet hatte. Gorch Fock war ein Seemannskind, dem Meere blieb seine ganze Sehnsucht gewidmet, wenn ihn sein Kaufmannsberuf auch tief bis nach Mitteldeutschland verschlug und zeitlebens an den Kontorbock fesselte, bis ihn der Weltkrieg ins Heer rief. Tief verankert ist sein Dasein wie seine Dichtung in der deutschen Familie, wo Gott und Vaterland, Natur und Heimat keine leeren Begriffe sind.

So wurde er der Dichter der Heimat. Aber nicht in behaglichem Schaffen und im Fluge rascher Erfolge. Selten hat sich ein Dichter die Zeit für seine Werke so mühsam abringen müssen vom Frohndienst des Tages. Die Not hat ihm die Feder geführt, die Sorge um Eltern und Kinder, der drohende Untergang seiner geliebten Heimatinsel, deren idyllische Einsamkeit der Erweiterung des Hamburger Hafens zum Opfer fiel. Und endlich in seinen letzten Jahren ist es das gewaltige furchtbare Schicksal seines geliebten Vaterlandes gewesen, das er wie kaum einer mit allen Fasern durchlebte. Als Mensch eher einsam als gesellig, gießt er in seine niederdeutsche Dichtung den ganzen goldenen Humor seiner urgesunden norddeutschen Natur hinein. Mit Recht hat Aline Bußmann, seine feinsinnige Biographin, ihn einen lachenden Philosophen, einen wahren Lebenskünstler genannt, aber auch einen weltabgewandten durchglühten Schwärmer. Das ist die echte Mischung, aus der deutsche Humoristen entstehen. Auf Lebensbejahung ruht sein einziger, großer Roman: „Seefahrt ist not“. Von Freude durchtränkt sind auch eine ganze Reihe von jenen prächtigen kleinen Geschichten aus dem Seemannsleben. Vielleicht lag es in der Rastlosigkeit seines Daseins begründet, daß ihm knappe, prächtig angeschaute Stimmungsbilder in Menge gelungen sind, während er größere Novellen selten schuf. Auch die vorliegende kleine Erzählung vom lebensfrohen Steuermann und seiner koketten alten Braut bietet rein stofflich kaum etwas Neues. Aber was hat Gorch Focks Meisterhand daraus zu machen gewußt!

M. G.

Schalotte[54].