”Hm,“ sann der nach, ”hm, warte mal: Sagen wir zehn!“
”Warum zehn?“ fragte Frechdachs.
”Wenn zehn Menschen,“ antworte Rumbo, ”ihre Bosheit zusammentun, ist es so viel Bosheit, wie der Teufel allein besitzt.“
”O,“ meinte Frechdachs, ”da irrst du dich. Wenn es auf die Bosheit ankäme, brauchten wir den Teufel nicht höher zu berechnen als einen Menschen, denn ein Mensch hat für sich allein mehr Bosheit im Leibe als der Teufel und seine Großmutter zusammen. Trotzdem ist aber zehn eine zu niedere Zahl; du mußt schon noch was drauf legen.“
”Hör mal,“ sagte Rumbo, ”du bist doch wirklich ein Frechdachs. Du tust gerade so, als wenn ich ein kleiner Junge wäre, und ich säße bei dir in der Rechenstunde. Sage mir lieber gleich, wie hoch ich dir den Teufel anrechnen soll.“
”Du sollst ihn mir,“ sagte Frechdachs, ”für hundert Menschen anrechnen, denn der Teufel ist hundertmal ehrlicher als ein Mensch.“
”Ich denke, er ist der Vater der Lüge?“ meinte Rumbo.
”Das schon,“ erwiderte Frechdachs, ”aber er leugnet das auch gar nicht. Er lügt immer und ewig, nur in einem nicht. Er sagt nicht: ’Ich bin die Wahrheit,‘ wie er auch nicht sagt, ’ich bin die Liebe,‘ oder: ’ich bin die Güte.‘ Nein, der Teufel ist die Lüge, der Haß, die Bosheit, aber das bekennt er auch, während die Menschen sich immer besser stellen, als sie sind, und keiner treffgenau das ist, was er scheinen möchte. — Aber, um das zu kapieren, bist du wirklich zu dumm, Rumbo, denn nicht einmal die Menschen, die doch im allgemeinen klüger sind, als du, wollen das einsehen. Gib dir weiter keine Mühe, das Rechenexempel zu fassen, und nimm es einfach für richtig an. So hast du am wenigsten Schererei und darfst dabei die angenehme Empfindung haben, an eine große Wahrheit wenigstens zu glauben, wenn du sie auch nicht begreifst.“
Von diesen Bemerkungen ward es dem Riesen in seinem dürftigen Gehirne schwindelig, und er sagte, um nicht weiter denken zu müssen: ”Also ja, meinetwegen, lassen wir ihn für hundert gelten. —“
Am nächsten Sonntag machte Frechdachs aus dem Pfarrer ein schönes Ragout, das er, da er den Geschmack des Teufels kannte, sehr stark pfefferte. Rumbo aß nichts davon, weil er sich den Geschmack nicht verderben wollte, denn, sagte er sich, ein schlechter Pfarrer ist zwar ein Teufelsbraten, aber der Teufel selber ist doch noch eine größere Delikatesse.