”So wirf doch,“ brüllte Rumbo, ”wirf doch! Ich halt's nicht mehr aus.“ Und er klappte seine Kiefer zu, daß es nur so krachte; riß sie aber gleich wieder auseinander in höchster Freßbegierde.
’Holla!‘ dachte sich der Teufel, ’da ist was los!‘ drehte sich um, sah Frechdachs hinter sich mit dem Seil stehen, und lachte: ”Gucke mal an! Das Bürschchen da wollte den Teufel fangen. Respekt! Und das große Maul da wollte ihn vermutlich fressen? Ausgezeichnete Idee! Ihr zweie gefallt mir. Ihr sollt der Ehre gewürdigt sein, auf eine noch nie dagewesene Manier von mir geholt zu werden. — Na? Ihr bettelt ja gar nicht?“
”Wenn es einige Aussicht auf Erfolg hätte, würde ich es gewiß tun,“ sagte Frechdachs, der schon wieder seine Fassung gewonnen hatte. ”Aber so weit bin ich denn doch in die Geheimnisse der Dämonologie vorgedrungen, daß ich weiß: Betteln hilft nicht bei Seiner höllischen Majestät; es macht ihm zwar Vergnügen, es anzuhören, aber er steckt einen doch in seinen Wurstkessel. Bitte sich zu bedienen! Ich stehe dem Herrn Baron zur Verfügung. Bin neugierig, auf was für eine neumodische Manier er mich holen wird.“
Diese Frechheit imponierte dem Teufel.
”Du gefällst mir, Halunke!“ sprach er. ”Deine Seele ist so ausgepicht, daß es mir schwer fallen dürfte, dir höllische Überraschungen zu bereiten. Du hast ganz das Zeug dazu, ein Dienstteufel zu werden. Ich mache dich zu meinem Leibchauffeur. Einige Unbequemlichkeiten sind mit dem Amte ja immerhin verbunden, denn mein Verfluchter-Seelenmotor hat manchmal seine Mucken, und du wirst beim Umdrehen oft genug Gelegenheit haben, zu bereuen, daß du dich bei Lebzeiten zu schlecht aufgeführt hast, als daß du nach dem Tode der bequemen Ehre hättest gewürdigt werden können, als Tugendtenor in der himmlischen Vokalmusik mitzuwirken.“ — Damit gab er Frechdachs einen Tritt in die Magengegend. Frechdachs stöhnte: ”Verdammt nochmal!“ und war tot. Der Umstand, daß er nicht oben, sondern unten die Probe auf das Exempel der Unsterblichkeit machen sollte, äußerte sich darin, daß seine Seele ihren Ausweg nicht durch ein oberes, sondern durch ein unteres Körperventil suchte und fand, und daß sie dem entsprechend nicht nach Lilien duftete, wie es der Fall beim letzten Entweichen tugendhafter Seelen ist. Der Teufel machte eine Bewegung, als finge er eine Fliege in der Luft, und da hatte er die Frechdachsische Seele auch schon. Statt sie aber in sein Portemonnaie zu stecken, wie er sonst zu tun pflegte, rieb er die Leiche des verschiedenen Frechdachs in der Nabelgegend damit ein, worauf dort wie in blauer Tätowierung das Monogramm des Teufels (er benutzt neuerdings eines in van de Veldescher Unleserlichkeit) erschien und Frechdachs als Dienstteufel zu einem neuen Leben erwachte. Es war ihm in den paar Minuten auch schon ein niedliches Hörnerpaar aus der Stirnwand gesprossen, was sich gar nicht übel ausnahm, und hinten wackelte dienstbeflissen schmeichlerisch ein kleines, recht artiges Schwänzchen, das den Hosenboden offenbar ohne viel Mühe perforiert hatte. In einem Dialekte, der wie englisch ausgesprochenes Latein klang, aber das Höllenvolapük war, sprach er: ”Befehlen Eure Satanität, daß ich den Motor andrehe?“
”Ja, tu das, mein Sohn,“ antwortete der Teufel durchaus freundlich, ”aber erst sag mir mal: Was ist denn mit diesem Rumbo los, daß er immer noch mit offenem Maule daliegt? Hat er etwa auch keine Angst?“
”Aber Meister!“ sprach Frechdachs, ”seid Ihr wirklich ein so schlechter Psychologe? Ihr solltet Euch auf Seelen doch von Berufs wegen verstehen. So dumme Kerle haben natürlich nie Angst. Die Stupidität ist durch passive Courage vor allen anderen Lebewesen ausgezeichnet.“
”Bei meinem Schwanz! Das hatt' ich ganz vergessen,“ sagte der Teufel. ”Und es ist doch, weißderhole, eine Wahrheit von vielen Karaten. Indessen soll dieser Held der Dämligkeit einmal keinen Orden kriegen für seinen heroischen Mangel an Einsicht, sondern in seinem letzten Stündchen doch noch lernen, daß Kreaturen nicht zum Vergnügen auf der Welt sind. Wir wollen in seinem Rachen ein bißchen Automobil fahren.“
Rumbo hatte in der Tat durchaus nicht begriffen, was los war. Die Einbildung, daß er dazu auserlesen sei, den Teufel als Pille einzunehmen, hatte so fest von ihm Besitz ergriffen, daß ein anderer Gedanke jetzt unter keinen Umständen bei ihm Eingang finden wollte. Er lag also noch immer auf dem Bauche, das Maul weit aufgerissen, die Zunge lechzend lang heraushangend.
Diesen Umstand machte sich der Teufel zunutze.