”Jetzt paß auf,“ sagte er zu Frechdachs, der den Motor nach dreitausendsechshundertundfünfundachtzig Kurbelumdrehungen endlich zum Laufen gebracht hatte (wobei auch sein Schweiß, sowie sein Zungenwerk ins Laufen geriet, denn er triefte und fluchte dabei erklecklich) ”jetzt paß auf: Du sollst gleich das erstemal ein kleines Meisterstückchen im Fahren leisten dürfen. Du siehst diese von zu vegetarischer Kost etwas belegte und infolge von Appetitsphantasmagorien reichliche Feuchtigkeit absondernde Zunge des gewaltigen Hohlkopfes aus dem Rumbonischen Maule gleich einer Zugbrücke auf das Erdreich niederhangen. Diese glitschige, aber sonst keineswegs glatte, vielmehr von unzähligen Furchen durchzogene Brücke müssen wir hinauffahren. Es ist keine kleine Sache, Frechdachs, denn die Steigung ist beträchtlich; und sie wird, weil das Terrain, wie ich schon bemerkte, feucht und uneben ist, doppelt schwer zu nehmen sein. Es wird sich nur mit der kleinsten Geschwindigkeit machen lassen, und du darfst ja nicht vergessen, beide Rücklaufstreben hinunter zu tun, sonst rutschen wir womöglich rückwärts, und das wäre, Gott verdamme mich noch einmal, nicht bloß gefährlich, sondern auch blamabel.“

”Machen wir!“ rief Frechdachs, trat den Gehhebel nieder, und töff — töff, sauste die Explosionskarre los, scharf auf die Zungenspitze Rumbos zu. —

’Ah! Ich soll alle zweie haben?‘ dachte sich der und bekam vor unaussprechlicher Wollust butterig glänzende und gleich riesigen Kirschen heraustretende Augen.

Indessen fuhr des Teufels Laufwagen unter angestrengtem Gekeuche des Motors, dem in der Tat ein bißchen sehr viel zugemutet wurde, die Zunge hinauf, daß der Speichelsaft des Riesen rechts und links nur so wegspritzte. Frechdachs hatte alle Hände und Füße voll zu tun, da er bald einer Furche auszuweichen, bald ein Ausglitschen zu parieren, bald eine andere Geschwindigkeit einzuschalten hatte, aber es ging ganz gut, — bis zu dem Augenblick, wo sie schon ganz nahe am Zäpfchen Rumbos waren, das gleich einem umgekehrten Kirchturm herabhing und den Eingang zum Schlund versperre. Dort aber war der Motor am Ende seiner Kräfte angelangt. Er hustete, rasselte, rumpelte noch, vermochte jedoch den Wagen weder weiter zu ziehen, noch auch nur auf der erreichten Höhe festzuhalten. Kein Zweifel, daß das höllische Automobil sofort zurückgerutscht wäre, wenn sich jetzt nicht die beiden riesigen eisernen Rücklaufstreben mit ihren ankerscharfen Widerhaken tief ins Zungenfleisch des Riesen gebohrt hätten, der seinerseits bisher nur deshalb nicht zugeschnappt hatte, weil er felsenfest glaubte, das Automobil werde von selbst seine Insassen in seinem Magen abladen. Wie er aber die beiden eisernen Haken in seiner Zunge spürte, brüllte er tobend auf: ”Das kratzt ja!“ und schnappte in sinnloser Wut zu.

Darauf hatte der Teufel nur gewartet. In diesem Augenblick suggerierte er den im Bassin befindlichen Neider- und Verleumder-Seelen, sämtliche Parlamente der Welt hätten beschlossen, die Unanständigkeit der üblen Nachrede mit Prügelstrafe zu belegen, und brachte sie dadurch in eine solche Wut, daß sie, einander überrasend, eine Gesamtexplosion aller Niedertrachtsgase erzeugten. Diesem Knalleffekte war auch das Interieur und die knochige Umwandung des Rumbomaules nicht gewachsen: Es platzte. Gleichzeitig fuhren sämtliche schuftige Seelen in den Magen des Riesen und erfüllten ihn so mit Gift und Stank, daß auch er entzweiging. — Rumbo war tot.

Seinem linken Nasenloche entstieg der Teufel, dem rechten Frechdachs. Sie waren über und über voll von Ruß und fanden, daß das ihnen sehr gut stünde.

’Schade, daß das Automobilchen mit hin ist,‘ meinte der Teufel, ’aber ein guter Spaß ist's doch gewesen. Ich werde mir jetzt eins mit einem Konfessionszankmotor made in Germany konstruieren. Der wird noch rasender gehen. — Fürs erste wollen wir jetzt nur noch schnell die Seele des großen Lümmels fangen. Da bei ihm alles langsam vonstatten gegangen ist, wird sie eine gute Weile zum Entweichen brauchen.‘

Es dauerte auch noch richtig eine Viertelstunde, bis sich aus der Gegend von Rumbos Hinterquartier eine Art gelben Staubdunstes erhob, wie von einem zertretenen Bovist.

Der Teufel fing das Zeug in die hohle Hand, betrachtete es aufmerksam, roch daran und sprach: ”Zu schlecht für meine Domäne.“ Dann blies er es von seiner Hand weg mit den Worten: ”Nichts als Dummheit, Gefräßigkeit und blöder Dünkel, aber guter Kunstdünger für künftige Ernten an Bosheit und Niedertracht. Sie sind mir sicher.“

Der gelbe Dunst flog nach allen vier Windrichtungen auseinander.