Natürlich handelten Franz und Karl im Einverständnis miteinander.
”Nun müssen wir also auch noch Komödie spielen wegen der Mädel,“ so faßte Franz die Sachlage in Worte. ”Du mußt dich als Korpsier, ich mich als Burschenschafter verkleiden, und wir müssen drei Semester lang so tun, als verachteten wir einander grimmig. Es ist zum Totlachen! Wir werden uns wie ein heimliches Liebespaar nur verstohlen treffen können und auf der Straße aneinander vorüberschreiten, als kennten wir einander gar nicht. Bloß in den Ferien wird Gottesfriede herrschen. Was wollen wir aber dann auch miteinander vergnügt sein, Karl! Wie wollen wir dann lachen über die Mummerei!“ —
”Ja, das wollen wir,“ war Karls Antwort, ”aber, weißt du, die Sache hat doch auch eine ernste und gerade darum erfreuliche Seite: Es ist die erste Prüfung, die unsere Freundschaft zu bestehen hat. Ich zweifle natürlich so wenig wie du daran, daß sie sie bestehen wird; das versteht sich ganz von selber; aber immerhin, eine Probe aufs Exempel bleibt's, und das ist gut.“
In dieser Stimmung traten sie ein jeder in die Verbindung ein, der sein Vater früher angehört hatte. —
Sie hätten keine jungen deutschen Studenten sein müssen, wenn nicht das mancherlei Schöne, Frische, Lustige auf sie gewirkt hätte, das dem einen das Korps, dem andern die Burschenschaft bot. Franz war ein ebenso forscher Arminenfuchs wie Karl, in S. C.-Redeweise gesprochen, eine brauchbare Korpsrenonce. Und wie jeder seine drei Mensuren hinter sich hatte, wurde der eine wie der andere ein tadelloser Bursch, der es nach dem besonderen Sinne seiner Verbindung an nichts fehlen ließ. Denn die beiden zeigten sich auch hierin von dem guten Schlage, der allewege ordentlich treibt, was er einmal übernommen hat.
Trotzdem gehörten sie mit ihrem innersten eigentlichen Wesen ihren Verbindungen doch nicht an. Wie hätte Karl so ganz Korpsstudent sein können, um z. B. auf jeden Burschenschafter wie auf einen minderwertigen akademischen Bürger herabzublicken?
Und wie hätte Franz es vermocht, so ganz Burschenschafter zu sein, daß er im Korpsstudenten schlechthin nichts gesehen hätte, als eine Art studentischen Gecken von beschränktem Geist, aber unbeschränktem Hochmut?
Nein, es blieb im Grunde doch eine Verkleidung, wenn sie sie beide auch nach außen hin glänzend durchführten, und wenn auch schließlich gewisse Eigenheiten des Korps- oder Burschenschaftsangehörigen an ihnen haften blieben.
Ganz von selbst verstand es sich, daß sie alle Zeit, die ihnen das Korps oder die Burschenschaft zur freien Verfügung ließ, miteinander verbrachten — in der Tat verstohlen wie ein heimliches Liebespaar.
Mütze, Band und Bierzipfel wurden abgelegt, ein Hut aufgesetzt, der Rockkragen aufgeschlagen und, womöglich im Schutze der Dunkelheit, zum Freunde geeilt.