Nun, so dachte ein jeder von ihnen für sich, werd' ich den Bengel schon auch noch für meine alten Studentenideale einfangen.
Indessen, da wollte sich der gewünschte Erfolg durchaus nicht einstellen. Allen noch so begeisterten Schilderungen, noch so nachdrücklichen Zureden setzten die Jungen halsstarrig das eine entgegen: Es gehe und gehe nicht, — schon wegen ihrer Freundschaft. Sie seien nun einmal ein Herz und eine Seele und wollten in allen Lagen des Lebens immer und ausnahmslos bleiben, was sie von jeher waren: Engverbundene Kameraden.
Vergeblich deklamierte der Doktor: Ehre! Freiheit! Vaterland! Vergeblich wies der Rittmeister darauf hin, daß nur der zur Elite der Studentenschaft gehöre, der Mitglied eines Korps sei. Vergeblich betonten beide, daß es zu ihren innigsten Herzenswünschen gehöre, den Sohn mit demselben Band geschmückt zu sehen, das sie einst selber getragen hatten.
Es nützte alles nicht; die beiden Oberprimaner, deren Abgang von der Schule schon in ein paar Monaten eintreten mußte, blieben standhaft bei ihrem non possumus.
Die Lage schien verzweifelt.
Da erschien wiederum der mütterliche Sukkurs auf dem Plan. Aber diesmal mußte er sich einer komplizierteren Taktik bedienen, und die beiden Hilfstruppen mußten gemeinsam vorgehen.
Sie pflogen Kriegsrat mit einander und einigten sich über die folgende Gefechtsidee: Diesmal müssen wir die Mädels bange machen. Wenn ihr, müssen wir sagen, euren Bruder dahin bringt oder wenigstens den Anschein erweckt, als ob ihr ihn dahin gebracht hättet, nach Vaters Willen zu handeln, so wird der, seid sicher, zum Dank dafür euren Herzenswünschen so gewiß geneigt sein, wie er jetzt darin ungewiß ist. — Nun werden die Mädels freilich sagen: Der Bruder denkt ja gar nicht daran, auf uns zu hören.
Dann müßte man eben das junge Volk ein bißchen auf eine andere Möglichkeit stoßen.
Wofür sind wir die Alten, Erfahrenen? Es geht ja um einen guten Zweck, und so dürfen wir wohl andeuten, daß, wenn auch der Bruder am Ende nicht hören würde, der Freund des Bruders um so gewisser alle beide Ohren aufmachen wird. Geschieht das nun aber auf beiden Seiten, so ist genau das selbe erreicht, wie wenn ihr den Bruder überredet hättet, d. h. der Vater ist zufriedengestellt.
Die mütterliche Doppelintrige, von den Töchtern sofort aufs gelehrigste erfaßt und so geschickt ins Werk gesetzt, wie man es von jungen verliebten Mädchen nur voraussetzen kann, führte noch kurz vor Torschluß, nämlich in der Muluswoche der beiden Freunde, zum gewünschten Ziele.