LebemännerNovelle.2. Auflage.
M. 1.—, geb. M. 2.—.

Neues Wiener Tagblatt“: Eine feine Studie aus dem Alltags- und Liebesleben, deren Held Konrad Spreckelmayer heißt, seines Zeichens Doktor ist und aus der altertümlichen Stadt Prag stammt. Das letztere ist nicht unwichtig. Um in Wien den erotischen Entwicklungsgang zu nehmen, der Spreckelmayer beschieden ist, muß man aus Prag kommen — das können manche bestätigen.

Und der Sprosse der wackeren Moldaustadt kommt nach Wien, aus einer Art Bibelluft nach der Babel-Atmosphäre, und hier wird er auf dem allergewöhnlichsten Wege ein ”Lebemann“! Ihn und seine Kameraden zeichnet nun Auernheimer in ebenso scharfer wie delikater Weise, mit etwas Ironie, aber ohne Forcierung, ohne zolaistische Düsterheit, ohne Schwermutsfrivolität, ohne bacchantische Hypertrophie. Das wirkt sehr sympathisch an diesem Buche und wieder einmal haben wir — wir wollen es dreimal und öfter betonen — Gelegenheit davon zu sprechen, daß das junge, frische Wien (wenige Ausnahmen abgerechnet) viel dezenter ist als das junge, greisenhafte Berlin. Da haben wir einen eleganten Satiriker vor uns, der sich das Rückertsche Diktum stets vor Augen hält: ”Ich lehre dich, mein Sohn, nie über das, was über Maß das ist; denn überall von Übel ist das Über!“ Und solch eine Eigenschaft kann bei einem jungen Autor nicht genug gerühmt werden!


Felix Salten

Die Gedenktafel der
Prinzessin Anna
Novelle.
3. Auflage.

M. 1.—, geb. M. 2.—.

Hofrat Dr. Max Burckhardt schreibt in der ”Zeit“: Die soeben im Wiener Verlag erschienene Novelle Saltens ist von einer ganz ungewöhnlichen Frechheit. Sie ist aber nicht nur frech, sie ist auch gut, die Frechheit sinkt nicht herab zur lüsternen Zote, sie erhebt sich zu blutiger Ironie. Parabasco, Herzog von Riavenna, betritt, da er nächtlicherweile eben selbst von einem Liebesabenteuer kommt, seine Schwester Anna, wie sie heimlich aus einem Pförtchen des Palazzo Gembi huscht. Da er sich überzeugen muß, daß der junge Gembi sein zartes Geheimnis nicht für sich allein behalten hat, entschließt er sich resolut, allem geheimen Gezischel und Getriebe dadurch vorzubauen, daß er eine Gedenktafel am Palazzo Gembi anbringen läßt, auf der mit dürren Worten der Öffentlichkeit mitgeteilt wird, was Prinzessin Anna in diesem Hause erlebt hat. Welche Folgen diese Tat des Herzogs hat, wie insbesondere das gute Volk die Prinzessin als Wohltäterin von Riavenna im Triumphzug durch die Stadt führt und ihr angesichts der Gedenktafel eine begeisterte Huldigung darbringt, und wie zum Schluß der Herzog an sich selbst erfährt, welche Nutzanwendungen ein einfaches Mädchen aus dem erhabenen Beispiele der verehrten Fürstin zieht — das möge jeder in dem Büchlein lesen. Es könnte in der besten Zeit der Renaissance geschrieben sein.