Fußnoten:[1] Musterauswahl[2] für anständig Gehaltene[3] federnden[4] eingeübt[5] liebenswürdiger[6] Herrschers[7] Treue gegen den Herrscher[8] unangenehm[9] beabsichtigte Erfolgsberechnung[10] sich unterrichtenden[11] schlüpfrigen[12] Wortschatz[13] Feinheiten[14] Vornehmheit[15] Vorsteher der Hoffestlichkeiten[16] Persönlichkeit von Ansehen[17] Sprachschatz[18] Auftrag[19] höfische[20] von Amts wegen[21] Abordnung[22] aus der Fassung[23] in Unordnung gebracht[24] Lage[25] Hier mußt du deine Geschicklichkeit auf der Stelle beweisen, wenn man dir glauben soll.[26] Aussicht[27] Lage[28] krampfhaften[29] Empörung[30] Amtsbereich[31] vorsichtig[32] zartem[33] überspannter Gedanke[34] Gebärdenspiel[35] possenhaft[36] verrückt[37] kurzerhand in Ordnung bringen[38] Hofwürdenträger[39] feststellte[40] Geist[41] Inbegriff[42] begrifflich[43] volkstümlichen Ausdrücke[44] heranpürschen[45] entsagend[46] vorschriftswidrige[47] gegenüber[48] unwillkürliche Bewegung[49] schönrednerischen[50] höfische Form[51] Gesamtwirkung[52] Haltung[53] Gedankenverbindung
Gorch Fock:
Schalotte.
Gorch Fock (Johann Kinau) — ist am 22. August 1880 auf dem hamburgischen Eiland Finkenwärder geboren, 1916 verschlang ihn die See auf S. M. S. Wiesbaden in der Skagerrak-Schlacht. Welchen Norddeutschen, welchen Hamburger ergreift nicht Stolz und Trauer zugleich, wenn er den Namen des Frühvollendeten hört! Ein zweiter Körner, zu hohen Hoffnungen berechtigend, mitten aus dem Leben und Schaffen gerissen auf dem Felde der Ehre, vom Meere verschlungen, dem er so manches gute Wort und Werk gewidmet hatte. Gorch Fock war ein Seemannskind, dem Meere blieb seine ganze Sehnsucht gewidmet, wenn ihn sein Kaufmannsberuf auch tief bis nach Mitteldeutschland verschlug und zeitlebens an den Kontorbock fesselte, bis ihn der Weltkrieg ins Heer rief. Tief verankert ist sein Dasein wie seine Dichtung in der deutschen Familie, wo Gott und Vaterland, Natur und Heimat keine leeren Begriffe sind.
So wurde er der Dichter der Heimat. Aber nicht in behaglichem Schaffen und im Fluge rascher Erfolge. Selten hat sich ein Dichter die Zeit für seine Werke so mühsam abringen müssen vom Frohndienst des Tages. Die Not hat ihm die Feder geführt, die Sorge um Eltern und Kinder, der drohende Untergang seiner geliebten Heimatinsel, deren idyllische Einsamkeit der Erweiterung des Hamburger Hafens zum Opfer fiel. Und endlich in seinen letzten Jahren ist es das gewaltige furchtbare Schicksal seines geliebten Vaterlandes gewesen, das er wie kaum einer mit allen Fasern durchlebte. Als Mensch eher einsam als gesellig, gießt er in seine niederdeutsche Dichtung den ganzen goldenen Humor seiner urgesunden norddeutschen Natur hinein. Mit Recht hat Aline Bußmann, seine feinsinnige Biographin, ihn einen lachenden Philosophen, einen wahren Lebenskünstler genannt, aber auch einen weltabgewandten durchglühten Schwärmer. Das ist die echte Mischung, aus der deutsche Humoristen entstehen. Auf Lebensbejahung ruht sein einziger, großer Roman: „ Seefahrt ist not “. Von Freude durchtränkt sind auch eine ganze Reihe von jenen prächtigen kleinen Geschichten aus dem Seemannsleben. Vielleicht lag es in der Rastlosigkeit seines Daseins begründet, daß ihm knappe, prächtig angeschaute Stimmungsbilder in Menge gelungen sind, während er größere Novellen selten schuf. Auch die vorliegende kleine Erzählung vom lebensfrohen Steuermann und seiner koketten alten Braut bietet rein stofflich kaum etwas Neues. Aber was hat Gorch Focks Meisterhand daraus zu machen gewußt!
M. G.
Charlotte
Schalotte[54].
T
Tees Sanner kem mit sien Dreemastschuner „Charlotte“ mit een Lodung Holt von Sweden, un as he dorch den Nordostseeknol dorch weur, nehm he sik een Damper an un leet sik de Elw[55] rop bet no Brunshusen un de Swing rop bet no Stood slepen, wo he sien Balken un Breeder to löschen harr. As he sik oppen Kontor von den Holthändler mellen dä, geef de em een Breef ut Hamborg. Tees sien Froo schreef em, dat dat nu sowiet weur mit jemehr Deern[56], wenn he afkomen kunn, denn sull he man herreisen, denn wullen se Hochtied fiern. Dübel ok: Hochtied fiern, dat weur wat for Tees Sanner un bi de Hochtied von sien lütte Schalotte wull he öberhaupt un op jeden Fall mit bi sien: he öbergeef dorum Schipp un Kru[57] un Holt un dat Löschen an sien Stürmann Odje[58] Klütenmeyer un reis no Hamborg rop, as he sä, op dree Dog[59]. De Stürmann sä ober, he sull sik bi de Botterkoken[60] un bi den Grog man ornlich plegen un sull den Brand[61], wenn he een kriegen dä, wat jo doch licht moleurn[62] kunn, man geruhig utslopen un man gern acht Dog wegblieben: he wull mit dat Holt un mit de Lüd woll alleen klor warrn.
Un den annern Morgen Klock soß[63] kreg Odje Klütenmeyer, de Stürmann, sien Lüd vortüg[64], un de Lüd von Land keemen jem tor Hölp[65], un se löschen jemehr Lodung. Alltogau[66] gung dat jo nich: Odje sä, Schippsarbeit weur keen Hosenjagd un sweeten[67] kunn een genog unner de Lien[68], hier in uns Breetengroden[69] dä dat nich neutig[70], — ober dat gung doch. Son grot Schipp as den Dreemastschuner schienen de Stooders noch gornich sehn to hebben: wenigstens keemen nomiddags een ganz Deel Schoolkinner mit jemehrn Lehrer un Borgerslüd an un bekeken sik den lütten Schuner, as wennt de Potosi[71] weur. Unner de Bäum bitten achterto stunn[72] een Bank un dor sett sik halber Nomiddag een ol Fräulein oder Witfroo op dol[73] un bleef dor bet obends op sitten un kek ümmer stief no dat Schipp hen. Un wenn Odje Klütenmeyer mol opkek, denn mok se ümmer een seuten[74] Mund un nick em to. Odje kreg dat bald rut: Junge, sull dat Kieken un Nicken em gellen? He kek nochmol stief röber: woraftig, de Olsch[75] lach wedder un nick. Wat geiht di dat Wiefstück[76] an, dach he, ober he streek[77] doch all mol ober sien strubbeligen Bort un feuhl[78] mol no, of sien Slips ok noch sitten dä. Un he kunn dat Röberkieken ok nich loten. De Olsch harr woll ehr fiefunveertig[79] Johr oppen Puckel, kunnen ok söbenunveertig[80] sien, ober se harr noch goden Schick[81] un weur ok ganz god optokelt[82] un denn harr se jo een Og[83] op em smeeten[84], dat mok den besten Indruck op Odje, de all[85] seit dree Wochen keen anner Froo mehr sehn harr, as de dicke Olsch von een hollandsche Jalk[86], de ehr tweehunnert Pund weug[87] un em nich reizen kunn.