„Jo, jo,“ sä Odje un gung wedder an Deck. „De ole Zippel,“ brumm he in sik rin un spee öber de Reeling, gliek noher dä em dat ober leed un he kek no de leddige Bank unner de Bäum hen un flüster: „Schalotte!“
Un he wisch sik öber de Ogen un nehm dat Löschen wedder op den Kieker.
„Markst Elefanten?“ freug de een Jantje den annern.
„Ne, Müs,“ sä de anner, „ik gläuf, uns Stürmann is eben kielholt[201] worden.“
„Wat hefft ji dor ümmer to preestern[202]?“ schull[203] de Stürmann, „arbein, arbein, dat wi klor ward un ut düt verdreihte Lock rut komt! Hier kann een jo verrückt warrn!“
Lachende Matrosen
Fußnoten:[54] Aus „Hamborger Janmooten, een lustig Book“ von Gorch Fock. Geh. 2.50 M., geb. in Leinen 3.50 M. (Verlag M. Glogau jr. Hamburg)[55] Elbe[56] ihrer Tochter[57] engl. Crew-Mannschaft[58] Koseform von Adolf[59] Tag[60] Butterkuchen[61] Rausch[62] geschehen[63] sechs Uhr[64] vor Zeug (ließ ans Werk gehen)[65] kamen ihnen zur Hilfe[66] allzuschnell[67] schwitzen[68] Äquator[69] Breitengrad[70] nötig[71] Name des größten Segelschiffes der Welt (deutsches Schiff)[72] ein bißchen im Hintergrund stand[73] nieder[74] süßen[75] Alte[76] Weibsbild[77] strich[78] fühlte[79] fünfundvierzig[80] siebenundvierzig[81] gutes Aussehen[82] aufgeputzt[83] Auge[84] geworfen[85] schon[86] kleines Küstenfrachtfahrzeug[87] wog[88] fragte[89] gleichgültig[90] reden[91] Euer[92] schön[93] außerhalb[94] Garten[95] schielte[96] gehören[97] Rat[98] wählerisch[99] hier: Unsinn[100] freien[101] Sache[102] lauert[103] vertrocknet[104] Nachdenken[105] halten[106] rief[107] blinzelte[108] Hafen[109] ihr[110] schlug[111] Laterne[112] Stahltrossen oder Taue, die die Masten seitlich halten[113] blinken[114] roch[115] unsaubere[116] erlebt[117] Wohnraum[118] „Merkst du was?“ (wörtlich: „Merkst du Mäuse?“)[119] Ratten[120] Winde[121] sagte[122] faßte[123] Topf[124] besann[125] Gewissen[126] Schmelz[127] Nasenloch[128] rug = rauh[129] Zwiebeln[130] höchste[131] an Land[132] gleich[133] Unterschied[134] faßte[135] selbst[136] Katzen[137] Kosenamen für Janmaat = Matrose[138] gutmütig-spöttisches Lächeln[139] Hunde[140] anbeißen[141] schamrot[142] Pfeffermühle[143] erklärt[144] Dämmerung[145] Besuch[146] schlug[147] flötete[148] rannte[149] verrückt[150] Ochsen[151] glaube[152] stiefelte[153] viertel[154] Grünen[155] entgegen[156] Laube[157] Köchin[158] Essen[159] streichelte[160] kroch[161] Abschiednehmen[162] Stachelbeeren[163] kriechen[164] sehr kratzbürstig[165] entlassen worden[166] Koch[167] auffressen[168] Weiß[169] Hitze[170] näher[171] engl. Crew = Mannschaft[172] fliegenden Holländer[173] japanische Tänzerin[174] Schiffsküche[175] schief[176] Straße im Hamburger Hafenviertel[177] kleben[178] Lachtaube[179] lud[180] schwebte[181] Reihe (Arbeit)[182] Flasche[183] Kirschen[184] durften[185] rieb[186] Standespersonen von Stade[187] abliefern[188] niedrige Küste (gefährliche Stelle für die Seefahrt)[189] Bett[190] in Ordnung[191] Patent[192] glaube[193] schraubte[194] Reihe[195] gut[196] zurechtgeschustert[197] Haufen[198] Geschwätz[199] Eile[200] Zwiebeln[201] es ist ihm der Kopf zurecht gesetzt worden[202] predigen[203] schalt
Rudolf Presber:
Die vierundsiebzigste Nacht.
Rudolf Presber ist am 4. Juli 1868 in Frankfurt a. M. geboren und lebt heute in Berlin-Grunewald. Wie sein großer Landsmann Goethe entstammt er einem literarisch gebildeten Hause. Früh waren beide als Dichter tätig, auch sind sie lebenslang Verehrer des schönen Geschlechtes gewesen. Aber darin ist der liebenswürdige Rudolf Presber doch himmelweit verschieden von seinem großen Landsmann, daß 90 Prozent seiner Werke humoristisch sind. Zweifellos besitzt er ein starkes Formtalent. Die fröhlichen Kinder seiner Muse danken ihren großen Erfolg dem flotten, frischen Erzählungston, der warmherzigen Gesinnung und nicht zum wenigsten jenem goldenen Humor, der ihm „Lebensäußerung und nicht Geschäft ist“, wie es in einer seiner Novellen heißt. Manches feine, kluge Wort ist ihm in Vers und Prosa gelungen.
Im Mittelpunkte seiner Novellen steht oft ein wunderlicher Kauz, vom Schicksal arg zerzaust, vom Dichter mit Liebe und Nachsicht behandelt. Eine solche Figur ist auch der unbekannte „berühmte“ Dichter unserer Novelle. Mit feinsinniger Satire geißelt er die Durchschnittsverehrung deutscher Dichter im sinnigen Stil unserer Zeit und verfolgt da mit Gedanken und Ziele, wie sie der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung besonders nahe liegen. Das Studentische ist mit Behagen und leichter Ironie dargestellt. Fast möchte man annehmen, daß ein persönliches Erlebnis des Dichters dahintersteht. Und köstlich wird das Ganze umrahmt von dem Gedanken aus der 74ten Nacht im orientalischen Märchen.